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100 Jahre Bürgerverein Apricke!!


APRICKE IM LAUFE DER ZEIT ...  
Aus der Geschichte des Dorfes Apricke (Kirchspiel Deilinghofen) in früheren Jahrhunderten und in den letzten 100 Jahren  
Vortrag  zum 100jährigen Bestehen des Bürgervereins Apricke am 12. September 1997  
verfasst und gehalten von Dr. Friedhelm Groth

 

Der alte Counter zählt nicht mehr - seit dem 28.6.2016 waren hier:


Linktipp zum Thema - sehr viel mehr über Apricke bei Pastoerchen direkt HIER:
home.arcor.de/pastoerchen/html/alt-apricke.html

Bilder aus Alt-Apricke sind jetzt HIER zu finden als Diaserie -
Danke an Frau Scholly aus Hemer für viele der Bilder aus Apricke


Das ist die Stephanuskirche, das in diesem Vortrag vorkommende Zentrum des Kirchspiels Deilinghofen: 

Der folgende Vortrag (nur der Schlussteil) ist jetzt auch als MP3 zu hören / herunterzuladen - HIER.
Dazu passend das Apricke-Interview vor 20 Jahren mit Erich Heetfeld - keine gute Qualität, als MP3 HIER zu hören / herunterzuladen.



Liebe Mitglieder des Bürgervereins Apricke, liebe Bürgerinnen und Bürger des Ortes Apricke! Meine Damen und Herren! Meine Grüße und Wünsche zu Ihrem Jubiläum entbiete ich Ihnen mit einigen Bildern aus der Geschichte dieses Dorfes, mit einem geschichtlichen Bilderbogen, der die letzten 100 Jahre, aber auch noch die vergangenen Jahrhunderte umfaßt. 

I. Hinführung zum Thema:  
In seinem Aufsatz in der Zeitschrift „Der Schlüssel" über die „Geschichte des adligen Hauses Apricke" begann 1959 der Deilinghofer Heimatforscher August Busch seine Ausführungen mit folgenden Sätzen, die ich zitieren darf: 
Und, meine Damen und Herren, Busch fügt da in seinem Aufsatz gleich jene Urkunde aus dem Jahr 1377 an, wie da beim Richter Hermann von Syburg in Iserlohn die Familie des Johann von Afken erscheint und wie die von Afkens zu den Akten gaben, daß sie das Recht zur Erhebung des Zehnten in „Apellerbeke, Kirchspiels Deydelingschoven" an Eberhard von Wermingsen und seine Erben abgeben, und zwar mit Zustimmung des Lehnsherrn Henrich, des Vogtes von Calle. 
Damit sind wir mitten drin in der alten Geschichte dieses Dorfes hier! Apricke könnte man also, flapsig gesagt, auch Aplerbeck nennen, was für mich als Schwerter einen etwas anrüchigen Klang hat, denn in Schwerte verbindet man mit Aplerbeck etwas Furchteinflößendes und auch was Verrücktes. Schöner klingt’s da, wenn man sich von Busch  sagen läßt: man ist hier im „Dorfe Apfelbaumbach", und erst recht können die Apricker stolz darauf sein, daß sie seit alten Zeiten durch das adlige Haus Apricke hier am Ort eben nicht irgend ein Provinznest waren, sondern durchaus mit der großen Geschichte verbunden sind, wie zu zeigen sein wird. 
Auf alles drei werden wir in diesem Vortrag eingehen: auf das überaus Geschichtsträchtige, das aus Apricke kam, auf das etwas Verrückte und auf das idyllisch-Romantische hier im schönen Apfelbaumbach-Dörfchen im Kirchspiel Deilinghofen. Zum Geschichtsträchtigen zuerst: Die genannte Urkunde ist in diesem Jahr  620 Jahre alt, wenn man dagegen die allererste urkundliche Erwähnung des  Dorfes Apricke zugrundelegte, wäre Apricke älter als Hemer: 1059 wurde Apricke erstmals urkundlich erwähnt, und man könnte demnach bald das 950jährige Bestehen des Dorfes feiern. Man hätte - um hier im Rahmen zu bleiben - vor zwei Jahren das 75jährige Jubiläum der Apricker Gesangvereins im Bürgerverein feiern können. Auf diesem Hintergrund ist es für mich nicht ganz so erheblich, ob jene Jahreszahl „1897", die auf der 1925 angefertigten Fahne des Bürgervereins steht und als Jahreszahl dort eingestickt ist, wirklich das exakte Gründungsjahr angibt. Ins Vereinregister eingetragen wurde der Verein nachweislich erst 1912, und Zweifler haben gefragt, ob nicht erst in 15 Jahren der runde Geburtstag zu feiern wäre.  Da mag es durchaus so gewesen sein, daß 1925 die kaisertreue Fraktion der Vereinsmitglieder gerne mit der Zahl „1897" dasjenige Jahr auf die Fahne gab, in dem der Kaiser Wilhelm I. 100 Jahre wurde. Viel aber spricht dafür, daß sich schon damals zum 100. von Kaiser Wilhelm, also im Jahr 1897 vor jetzt 100 Jahren, die Bürger vereinsmäßig in ersten Anfängen  zusammentaten und die Nachkommenden in den 20er Jahren die Wurzeln ihrer Vereins auf der genannten Fahne auf diese allerersten Anfänge zurückdatierten. So oder so: als ein Jahrhundertdorf ist Apricke auf jeden Fall zu feiern!  Davon soll in diesem Bilderbogen noch etwas vorkommen: in den Bildern aus den letzten 100 Jahren und den Jahrhunderten davor. 

II. Streiflichter aus der Geschichte Aprickes zwischen 1550 und 1900:  
Vom Haus Apricke im Laufe der Zeiten und aus dem Leben des berühmtesten Aprickers, Lothar von Bönninghausen (1598-1657; zu ihm vgl. den Wikipedia-Artikel HIER) bis hin zu einem Ausblick auf  Apricke im vorigen Jahrhundert 
Viele Apricker wissen kaum noch etwas (und erfahren vielleicht erst durch die von Herrn Alich für den heutigen Festtag herausgegebene Chronik davon), daß es ein „Haus Apricke" gegeben hat, und sehr viele wissen auch nichts von Lothar von Bönninghausen, einer geschichtlichen Gestalt, von der mir zuerst vor über 10 Jahren der alte inzwischen verstorbene Apricker Erich Heetfeld in eigenem Lokalstolz eine Menge erzählte. Das adlige Haus Apricke war im 15. Jahrhundert im Besitz der Herren von Wermingsen oder von Werminghausen, wie es damals hieß, wie es ja oben auch schon anklang im Zusammenhang mit der ersten urkundlichen Erwähnung Aprickes. Zum Teil wohnten einige Mitglieder dieser Iserlohner Adelsfamilie auch in Apricke. Im Jahr 1548 werden Coerdt und Johann von Werminghausen zu Apreke unter der Ritterschaft der Grafschaft Mark geführt. In dieser Zeit - Mitte des 16. Jahrhunderts - war der Besitz des Hauses Apricke unter den Familien von Werminghausen und von Bönninghausen geteilt, und den Wohnsitz in Apricke hatten in dieser Zeit in Apricke allein die von Bönninghausens. Auf diese wichtige Familie und den berühmtesten Apricker der Geschichte ist hier kurz einzugehen: auf Lothar Dietrich von Bönninghausen, der in Apricke geboren wurde und von 1598 bis 1657 lebte (zu von Bönninghausen vgl. HIER). Man vergegenwärtige sich, daß die Stephanuskirche 1565 evangelisch worden war, als mit Pastor Heinrich Lange die Reformation eingeführt wurde; Langes Amtsnachfolger Sutorius hatte Langes Witwe geheiratet und war in Deilinghofen Pfarrer bis in die Schreckenszeit des 30jährigen Krieges. Genau in dieser Zeit trat Lothar Dietrich von Bönninghausen aus Apricke wie so viele seine Standesgenossen in die Dienste der katholischen Liga unter Führung des Kurfürsten von Bayern; die Liga war ja damals bekanntlich das Gegenstück zur protestantischen Union, und unser Lothar von Bönninghausen machte eine riesige soldatische Karriere in der Zeit des 30jährigen Krieges. 
Im Jahr 1622 war der in Apricke Geborene schon Rittmeister im wallonischen Kürassier-Regiment des Obersten des Four. Und an der Seite des Obersten Othmar von Erwitte nahm Lothar Dietrich von Bönninghausen am Feldzug des kaiserlichen Generals Albrecht von Wallenstein gegen den Dänenkönig Christian IV. teil. 1630 wurde er zum kaiserlichen Obersten und Führer eines Kürassierregiments ernannt, und dieses Regiment führte er unter dem Oberbefehl des kaiserlichen Reitergenerals Graf Pappenheim drei Jahre lang. Wenn’s in Schillers Wallenstein heißt, was bekanntlich sprichwörtlich wurde: „Ich kenne meine Pappenheimer", dann hat der in Apricke gebürtige  Adelige Lothar seine Pappenheimer und auch Wallenstein wirklich bestens gekannt! Der uns allen bekannte Feldherr der Liga Tilly rief unsern von Bönninghausen zurück und dieser hatte für ihn 1631 Magdeburg zu belagern und zu erobern. Später, als in den Wirren um die Eroberung  Magdeburgs der Kompagnon Othmar von Erwitte fiel, wurde Lothar von Bönninghausen, der sich auch aus Plünderungen ein riesiges Vermögen erworben hatte, von von Pappenheim zum „Capo über die gesamte Reiterei" erhoben - und auf der Seite Wallensteins wurde von Bönninghausen schließlich zum kaiserlichen Generalwachtmeister ernannt. 1633 bei der Belagerung Iserlohns hat sich der kaiserliche General Lothar von Bönninghausen dann besonders hervorgetan, was dann sogar in einem Roman aus den 20er Jahren dieses Jahrhunderts ausgeführt wurde, als Lothar von Bönninghausen den um Gnade bettelnden Iserlohner Bürgermeister Henrich Duisberg, der zuvor N.B. mit seinem eigenen Vater im Rat gesessen hatte, eigenhändig umbrachte, bevor die Stadt gestürmt wurde. Ich raffe hier die soldatischen „Heldentaten" des Aprickers zusammen und sage nur noch, daß er das Ende des 30jährigen Krieges 1848 auf der Festung Hohenasperg in Württemberg erlebte, nachdem er zuvor ab 1636 in den Diensten des kaiserlichen Feldmarschalls Octavio Piccolomini gestanden hatte, den wir sonst nur aus den Geschichtsbüchern kennen, und daß er seine letzten Jahre wieder im Sauerland verlebte, wo er 1657 in der Gruft von Burg Schnellenberg bei Attendorn beigesetzt wurde. 
Um 1650 ging dann übrigens das Haus Apricke von den Bönninghausens über an die von Neuhoffs und von da an die Familie von Duithe, die es bis 1707 bewohnten, dann es weiterverkauften an die von Rombergs an der Edelburg, während die von Duithes das Haus Apricke, das Haus direkt an der Kirche übernahmen, das ist der Hof Busch, wo heute die Eheleute Grebner wohnten und wo Reste von Haus Deilinghofen heute noch zu finden sind. 

 


Das andere wichtige und ganz geschichtsträchtige Besitztum in Apricke war der Schultenhof am Alten Dorfteich (Foto oben), der in 15. Jahrhundert zu Burg Klusenstein gehörte und wo es im 16. Jahrhundert mannigfaltige Fehden zwischen den von Bönninghausens und dem Schulte vom Apricke um Fragen dieses Besitzes gab. Die letzten Pächter des Apricker Schultenhofs vor dessen Abriß waren der Deilinghofer Schäfer Horstmann und dann die katholische Bauernfamilie Vickermann, von 1951 bis 1965, das sind die Eltern des Linus Vickermann (geboren Heiligabend 1934), der als der allseits als engagiert bekannte Pater Beda einige Popularität gewonnen hat und auch also ein Apricker Kind ist, wie es ja auch in Heinz Alichs Chronik steht. 
Ich überspringe hier in einem gewaltigen Sprung sozusagen die gesamte Zeit des 18. Jahrhunderts. Auch aus der Napoleonzeit und der Zeit, als diese Gegend französisch verwaltet wurde, erwähne ich nur kurz, daß am 21.8. 1808 Hemer Mairie wird im Arrondissement Hagen im Ruhrdepartement; zur Mairie Hemer gehören die Gemeinden des Gerichts Hemer sowie Kesbern, Ihmert, Evingsen, Deilinghofen, Apricke, Riemke und Brockhausen. Nach der Franzosenzeit gab es wieder hier eine kommunalpolitische Umordnung: Am 21. Juni 1815 kam es mit der Bildung der Provinz Westfalen zum Ende der französischen Fremdherrschaft; jetzt hieß es „Bürgermeisterei Hemer, Steuergemeinde Deilinghofen" (mit Apricke, Riemke, Brockhausen), daneben gab es in dieser Bürgermeisterei die beiden anderen Steuergemeinden Hemer und Evingsen. 
Und ich komme direkt in die Mitte des 19. Jahrhunderts, in die Zeit, in die Zeit von 1835-1870, als in Deilinghofen der Pfarrer August Limborg wirkte, derjenige, welcher mit der großen Kirchenrenovierung der Kirche das jetzige Aussehen verlieh und auch die Straße ins Hönnetal baute. Ein weiterer Apricker Name muß da erwähnt werden, ein Täufling von diesem Pastor Limborg, allerdings in einem aufsehenserregenden Zusammenhang, der in früheren Jahrzehnten verständlicherweise hier im Dorf nicht gerne erwähnt wurde, jetzt aber lange Geschichte ist. Es geht darum, daß Fritz Haarmann (Foto), der bekannte Massenmörder der zwanziger Jahre aus Hannover, stark geprägt worden war von seinem gewaltsamen Rabenvater, der auch Fritz Haarmann hieß und aus Apricke stammte. Das, was mein verstorbener Freund Harald Korsch-Gerdes und ich in einem Vortrag im Felsenmeermuseum zu diesem Apricker brachten (und wir in einem Buch herausgeben wollten), ist in einer ganz knappen Kurzskizzierung nach hiesigen Akten, die wir bearbeiteten, hier vorzustellen: 
Man schreibt Sonntag, den 22. September 1844; es ist der Sonntag vor Michaelis. Die Glocken läuten in der Stephanuskirche, Pastor August Limborg beginnt den Taufgottesdienst. Ein Kind wird heute zur Taufe gebracht, ein Junge aus Apricke. Am Sonnabend, dem Tag zuvor, hat er in Apricke aus derselben Familie schon die kleine Friederike, die unehelich geborene Cousine des heutigen Täuflings, getauft: Friederike Caroline Haarmann, geboren am 9. September jenes Jahres, morgens um 7 Uhr. Der heutige Täufling im Sonntagsgottesdienst muß sich nicht verstecken wie das Kind der Schande Friederike; er ist ehelich geboren und die Familie kann die Taufe in der Kirche feiern. Und er ist 4 Tage älter als jene Friederike, er wurde den Eheleuten Melchior Diedrich Haarmann und Elisabeth geb. Wilke, einer Apricker Fabrikarbeiterfamilie, am 4. September 1844 geboren, es war ein   Mittwoch gewesen, mittags um 2 Uhr, wie man dort im Taufeintrag des Deilinghofer Kirchenbuchs lesen kann. Das zweieinhalb Woche alte Knäblein erhält den Namen Friedrich Carl, die Taufpaten sind die Verwandte Henriette Haarmann, der uns nicht bekannte Fritz Gessinger und Friedrich Berkenhoff, der Vorfahr eines späteren Apricker Presbyters. 

Die Stephanuskirche von innen, heute:

 

 
Wenn wir uns die Kirche damals vorstellen, an diesem Tauftag, können wir uns wundern: noch kein Fußboden ist drin: gestampfter Lehmboden, im Altarraum waren die Gebeine alter Deilinghofer Pastoren beigesetzt worden. Und den Altar gab’s noch nicht wie heute. Der muß ganz anders ausgesehen haben; er kriegte erst eineinhalb Jahrzehnte später die heutige Gestalt. Auch diese massive Kirchenumgestaltung und Renovierung war das Werk des damaligen rührigen Pastors Limborg, der übrigens auch sich einen Orden verdienen sollte, weil er die Pläne machte für die wichtige Straße ins Hönnetal, die dann gebaut wurde. 
Überhaupt war der damals 34jährige Pastor Limborg, der neun Jahre zuvor sein Amt in Deilinghofen angetreten hatte, ein treuer Untertan des preußischen Königs und Obrigkeitsmensch, einer der als Diener Gottes in dieser Richtung meinte, für Recht und Ordnung sorgen zu müssen. Während nahebei in Iserlohn die Arbeiterbewegung begann, und der berühmte Iserlohner Arbeiterführer Carl Wilhelm Tölcke (1817-1897) die Massen mobilisierte und zum Aufstand von 1848 führte, drüben in Iserlohn, in der bedeutendsten Industriestadt weit und breit in jener Zeit von sozialer Not, Hunger und Umbruch, da sollte es in Deilinghofen dörflich und sittlich bleiben, war Pastor Limborgs Überzeugung. Die Akten sagen, er hätte die Brantweinsucht und die Prozeßiersucht als Deilinghofer Hauptmerkmale angeprangert, und als Gegenmittel hatte Limborg bald sogar einen Sittlichkeitsverein gegründet, und zwar im Jahr 1843, ein Jahr vor dieser Taufe. 
Das aber in Apricke und anderswo im Kirchspiel die Arbeiter, die meist in der Becke arbeiteten,  ganz anderswo herausgefordert waren, zum Beispiel auch der Schlosser Melchior Dietrich Haarmann, der Taufvater jenes Sonntags, der als Schlosser arbeitete, davon mag Limborg, der Pastor, weniger gewußt haben. 
Immerhin: Haarmanns in Apricke kannte er ganz gut. Fast ein Dutzend Haarmann-Taufe vermeldet in jener Zeit das Kirchenbuch. Allein 1844 waren’s drei: einmal Friederike Haarmann, wie gesagt, und zweimal Friedrich kurz hintereinander. In jenen Zeiten hatte Apricke 111 Einwohner, und der Schulten-Hof am Alten Dorfteich war das Zentrum des Dorfes, das damals im vorigen Jahrhundert ein Teil von Brockhausen war. Dort in Apricke gab’s 19 Hausnummern zu jener Zeit, Apricke 10 war der kleine Kotten Kuhlmann-genannt Harmann, der kleinste Kotten des ganzen Kirchspiels, heute das Haus Dahlhaus, da wohnte die eine Linie der weiteren Verwandtschaft: die Kötter. Die Fabrikarbeiter Haarmann aber wohnten näher am Alten Dorfteich, vermutlich Haus Nr. 19 damals: im Haus der Frau Voß, die heute da wohnt oberhalb des Ehrenmals. So sagte es als glaubhafter Zeuge der verstorbene Herbert Schulte, Heimatforscher aus Iserlohn, dem Apricker Heimatfreund Herbert Franke, diesem haben wir die Identifizierung der alten Hausnummern zu verdanken. Von diesem Fabrikarbeiterhaus Haarmann her sei auch der Name der Grundstücks zu erklären: Die Apricker nannten’s damals Lokule, und das heiße Luderkuhle. 
Schlosser Melchior Diedrich Haarmann, der Opa des späteren Hannoveraners, Vater des Taufkindes von 1844, wird später in den Haarmann-Akten und in den Arbeiten über den Massenmörder des öfteren als Alkoholiker bezeichnet, aber in den Deilinghofer Kirchenakten taucht sein Name eher ehrenwert auf: einmal aus der Schulzeit, ferner auf einer Liste, wo Apricker auf die ihnen gehörenden Kirchensitz verzichen und einmal, als ihm gestattet wird, Vormund in der verwandten Familie Düings zu werden. 
Es würde hier zu weit führen, den von uns genau ausgearbeiteten Stammbaum der Haarmann-Familie vorzuführen: sieben Generationen sind’s, ein alter Apricker Name seit dem ältesten Haarmann, Röttger Haarmann, urkundlich 1676 als Milizsoldat genannt. Erwähnenswert ist, daß der genannte Herbert Schulte noch zu Lebzeiten die Genealogie Haarmanns auch erarbeitet hatte und daß seine Forschungen auch in das 600seitige Taschenbuch: „Die Haarmann-Protokolle", dem Buch  zum preisgekrönten Götz-George-Film über Haarmanns Leben mit dem Titel „Der Totmacher", eingegangen sind. Schulte hatte ganz gut gewußt, wer die Familie Haarmann war. Und auch der älteste Apricker, den ich in meiner Amtszeit beerdigt habe, pflegte, auf das Thema Haarmann angesprochen, immer zu sagen: „Psst, dai kummt von Schulten-Hoff". Ob der alte Apricker damit sagen wollte, daß die Fabrikarbeiter auf dem alten Schultenhof  wohnten (etwa hier auf dem „Spieker"), oder nur bei Schultenhof im heutigen Haus Voß, damals in der sog. Lohkuhle, muß offen bleiben. [Wir zeigen hier einige Folien des alten Apricke vom abgerissenen Schultenhof, von einer Enkelin des genannten Melchor Dietrich Haarmann, die uns Nachfahren zur Verfügung stellten.] 
Fritz Haarmann sen., das genannte Taufkind von 1844, wuchs in Apricke auf im Kreise mehrerer Geschwister, von denen die gezeigte Johanna Julie eine der jüngsten war. 16 Jahre später ist wieder Festtag für die Familie Haarmann in der Stephanuskirche, diesmal ein doppelter Festtag, und zwar am Palmsonntag, den 25. März 1860: Fritz Haarmann und seine 5 Tage jüngere Cousine Friederike, die unehelich aufgewachsen war und inzwischen auch die Mutter verloren hatte;  werden gemeinsam in der Kirche konfirmiert - in einer Kirche, die man nicht wiedererkannte. Gerade war nämlich die Renovierung durch Pastor Limborg 1859/60 beendet, alles total neu: der Steinfußboden, das nagelneue linke Presbytergestühl war  angeschafft, und die alten mittelalterlichen Altarfiguren waren in den neugeschaffenen Altar, wie wir ihn heute kennen, eingesetzt. Die erste Konfirmation nach einer Riesenrenovierung. Fritz Haarmann sen. war dabei - in diesem Konfirmationsgottesdienst in dem er als  8. von 11 Jungen eingesegnet wurde, und auf der Mädchenseite war Cousine Friederike Caroline eine von 14 Mädchen. 103 männliche und 130 weibliche Gemeindeglieder gingen übrigens an diesem Palmsonntag bei der Konfirmation zum Abendmahl, melden unsere Akten über den 25. März 1860, von Konfirmator Limborg aufgeschrieben. Beide Apricker Kinder Haarmann waren wohlgemerkt inzwischen bereits 16 Jahre alt. Es ist die bisher letzte Spur, die das Leben des späteren Hannoveraner Lokheizers und dann Lokführers Friedrich Carl Haarmann in Apricke und Deilinghofen hinterlassen hat. Den Rest kennen wir aus der Fallgeschichte und den psychiatrischen Akten seines berüchtigten Sohnes, eines kranken und von ihm mit krankgemachten Kindes. 

III. Apricke in den  letzten 100 Jahren seit 1897:  

Der hier folgende Abschnitt ist jetzt auch als MP3 zu hören / herunterzuladen - HIER.
Dazu passend das Apricke-Interview vor 20 Jahren mit Erich Heetfeld - keine gute Qualität, als MP3 HIER zu hören / herunterzuladen.

Daß es nicht gar nicht ganz so klar ist, daß der Bürgerverein Apricke 1897 gegründet wurde, klang schon an. Exakt genommen, könnte man in 15 Jahren noch einmal die 100jährige Wiederkehr des Tages der Eintragung ins Vereinsregister begehen. 
Gleichwohl darf man aber mit Fug und Recht davon ausgehen, daß die ersten Anfänge des Vereins, wie es auch in der Alich-Chronik steht, in jenes Jahr 1897 zurückreichen, die auch das Jahr des 100. Geburtstags des Kaisers Wilhelm I. waren. In der Festschrift für den heutigen Tag wird ja anhand eines Zeitungsausschnittes aus den 50er Jahren beschrieben, wie es 1897 mit dem inoffiziellen Gänseköppen in Apricke anfing mit der Vereinsarbeit. Ich verdanke Herrn Franke aus Apricke den Hinweis auf zwei dahingehörende historische Zeitungsartikel aus der „Hemerschen Zeitung" des Jahres 1897. Denen ist zu entnehmen, daß am 23.3.1897 in der Stephanuskirche ein von Pastor Cyriacy-Wantrop gehaltener Riesen-Festgottesdienst unter Beteiligung des Jünglingsvereins, des Turnvereins und des Deilinghofer Gesangvereins stattfand anläßlich des 100. Geburtstages „des hochseligen Kaisers" Wilhelm I. Der zweite Zeitungsartikel aus dem Jahr 1897 besagt, daß in Apricke ein halbes Jahr später am 9. September 1897 im Lokal des Wirtes Herrn Friedrich Schulte unter Beteiligung des Brockhauser Gesangvereins eine dörfliche Sedansfeier mit Dorffestcharakter stattfand mit einem dort ausgebrachten Kaisertoast. Daß im Umkreis solcher Kaiserbegeisterung 1897 das entscheidende Jahr für die Wurzeln des 15 Jahre später gegründeten Vereins wurde, ist erklärlich. --- Ob 85 oder 100 Jahre, eines ist unumstritten: daß in diesem Zeitraum hier am Ort durch diesen Bürgerverein Erstaunliches geschehen ist. Ich möchte jetzt nicht all die Daten sozusagen abklappern, die Sie auch in der genannten Chronik nachlesen können. Ich möchte bei meinen Ausführungen zur Geschichte des Vereins einen anderen Weg wählen. Ich erzähle hier von Apricke anhand eines einstündigen Interviews, das ich am 1. Juni 1993 mit dem Alt-Apricker Erich Heetfeld führen konnte und auf Band aufgenommen habe, Erich Heetfeld, der ja auch lange Jahre Vorsitzender der Gesangabteilung des Apricker Männerchors war und schließlich Ehrenmitglied des Bürgervereins. Dieses Band kann ich auf Anfrage für interessierte Apricker gerne kopieren. 
Erich Heetfeld (Jahrgang 1910) erzählt, daß es in seiner Jugend in Apricke drei größere Bauernhöfe gab: Küper, Schulte und Heetfeld, während alle anderen Ricken usw. auch etwas Land und Vieh hatten. Er schildert ganz viel aus dem Leben des Deilinghofer Pastors Axthelm, der von 1917 bis 1929 in Deilinghofen wirkte und mit Heetfelds Vater in Apricke besonders freundschaftliche Beziehungen unterhielt, und Erich Heetfeld schildert weiter, wie es in Apricke am Alten Dorfteich z.B. in den 30er Jahren aussah und daß er in den 60er Jahren zugeschoben und kanalisiert wurde. Er berichtet, am „Boerndeek" (so sagten die alten Leute) in Apricke hätte zuerst die alte Schule gestanden, deren Rest jetzt zum Haus Tuschhoff Beil gehören; die Schule hatte bis 1800 in Deilinghofen gestanden an der Stelle neben der Kirche, wo heute das Ehrenmal ist. 
Von den ganz frühen Zeiten Aprickes und vom herrschaftlichen Haus in Apricke weiß Heetfeld durchaus noch etwas aus Erzählungen von früher: die Besitzer von Duithe zum Beispiel, die sind ihm ein Begriff! Auf meine Frage erklärt Heetfeld, das Haus Apricke hätte „oben inne Siedlung" gestanden in der Ecke, wo heute der Rosenweg ist, er weiß noch gut wie die Grundmauern und der alte Schafstall dort stand. Das war auf dem Grundstück von Zimmermann in Apricke. „Es sind vom Haus Apricke heute wohl höchstens noch ein paar Steine da in irgendwelchen Mauern in Apricke!" Weiter erzählt er, daß es auch noch einen wichtigen Überrest gibt vom Schultenhof, nämlich am Dorfbrunnen der Balken, wo der Namen drin steht: Balken vom Schultenhof. Heetfeld erzählt dann von der Zeit um 1920 nach dem ersten Weltkrieg, als er ein 10jähriges Jüngelsken war: 
1919 wurde angefangen mit dem ersten Kriegerdenkmal, unten und oben zweimal mit einem eisernen Kreuz und einem Stahlhelm oben drauf, das Denkmal, das der Bürgerverein beschlossen hat und errichten ließ. Es ist ja ein anderes als dies hier, das wir heute haben! Gebaut hat es Steinmetz Josef Männiken in Iserlohn. 1920 wurde es eingeweiht; 1969 wurde das neue eingerichtet. Bei den Ehrenmalreden hätten sein Vater und das alte Eppmann öfter auch geredet. „Das Kriegerdenkmal in Apricke", weiß Heetfeld, „war das erste in der ganzen damaligen Provinz Westfalen", der Präsident von Westfalen hätte später mal eine Fahne fürs Denkmal gestiftet, nachdem Bürgermeister Eppmann ihm eine Gefälligkeit erwiesen hatte. 
Begeistert wird Erichs Heetfelds Schilderung, wenn er vom Pferderennen in Apricke erzählt, das der Bürgerverein veranstaltete, der damals noch „Bürger- und Rennverein" hieß: Es hatte in der Vorkriegszeit auch schon Rennen gegeben, aber es waren in Heetfelds Schilderungen die beiden Rennen nach dem Krieg in den Jahren 1922 und 1927. Da war beim ersten Pferderennen Erich ein 12jähriger Junge, und Erich durfte da im Karussell umsonst mitfahren „als Bremser". Ein großes Zelt stand da. „Was meinen Sie, daß da hier loswar, beim Pferderennen! Führend bei der Organisation des Ganzen sei der alte Eppmann gewesen, Friedrich Eppmann, der Bauer auf Heetfelds Hof, wo heute die Pilzzucht ist, der auch Bürgermeister der Gemeinde Brockhausen war. „Oben auf der Haar war die Rennen, da wo Willi Schweer wohnte und da noch weiter, da war ‘das Grunewaldflachrennen’; der Schulte von Riemke, der Onkel von Hartwig, Fritz, der hat viele Preise gemacht! Mehrere Rennen, so 5 bis 7 waren das immer. Begeistert schildert Heetfeld besonders vom zweiten Rennen 1927, „da war erst recht Hochbetrieb hier in Apricke, mit Karussell, sogar mit Hippodrom  und allem Drum und Dran". Vor tausenden von Zuschauern ritten die Reiter nicht auf Zuchtpferden, sondern auf normalen Arbeitspferden. Nicht von dem Heetfeld-Interview, sondern aus Fritz Sirringhausens Hemer-Buch stammt die Information, daß zur Zeit der Inflation sich das Apricker Eintrittsgeld zu den Rennen derart häufte, daß es auf einem Handwagen nach Hause gefahren werden mußte.  Da steht auch, daß der erste Preis ein 78teiliges Eßbesteck war oder ein  Sattel mit Reitzeug. Die Länge der Apricker Rennstrecke betrug etwa 2000 Meter und hatte die Form einer Acht; es gab über das genannte Grunewaldflachrennen hinaus das Hoppenberg-Jagdrennen, aber auch Springturniere und Galopprennen. Erich Heetfeld in seinem Interview schilderte mir, wie die Rennen dann schließlich eingestellt werden mußten in der Zeit, als rund um Apricke der Übungsplatz eingerichtet wurde. 
In dieser Zeit der Weimarer Republik wurde die Gemeinde Brockhausen nach Deilinghofen eingemeindet, vom 1.4.1929 an war Apricke kommunal nicht mehr Brockhausen, sondern Deilinghofen. Apricke war dann in den Jahren des Dritten Reiches 1934-1936 besonders betroffen von der Schaffung des großen Truppenübungsplatzes bei Deilinghofen (eingeweiht am 8.8.35), für den nach und nach (bei zweimaliger Erweiterung) insgesamt etwa 360 ha nutzbare Fläche in Anspruch genommen wurde. Bei dem vom Militär beschlagnahmten Gelände handelte es sich um das beste und fruchtbarste Ackerland der Gemeinde Deilinghofen. Rund 200 Eigentümer waren von der Maßnahme betroffen. Durch die dritte Landwegnahme war die Ortschaft Apricke schließlich ganz von Übungsplatzgelände umschlossen. 
Man könnte natürlich noch viel erzählen von Apricke in den letzten 50 Jahren und vom Bürgerverein. Ein herausragendes Ereignis in der Vereinsgeschichte war z.B. auch das Fest zum 50jährigen Bestehen der Gesangsabteilung im Jahr 1970, bei dem auch eine Festschrift herauskam. Wichtig für ganz Apricke war zuvor der August 1967 gewesen: der Einzug der Apricker Neubürger, die alle aus dem Osten stammten, in der Nebenerwerbssiedlung in Apricke; für viele ehemalige Heimatvertriebene aus dem Osten sollte von da an Apricke zur neuen Heimat werden, und viele sind auch im Bürgerverein integriert im Laufe der Jahre. Anstelle vieler neueren Daten nenne ich aus der Geschichte Aprickes den 1.9.1983, das war zufällig genau mein 1. Arbeitstag in Apricke, wo man an dem Tag eine Riesenschlagzeile in der Bild-Zeitung, in Bild-Westfalen lesen konnte: „Zum Schutz vor Staub und Lärm durch Panzer: 10 m hoch, 25 m breit - Ein Dorf wird ‘eingedeicht’". Alles andere: daß Apricke seit den 50er Jahren das Kanadier- und dann das Britencamp in seiner Nachbarschaft hatte und seit 1993 das Malteser-Camp mit den Asylbewerbern, muß ich nicht eigens ausführen, auch nicht, daß ein möglicherweise gebauter Freizeitpark dann genau Deilinghofen von Apricke trennen könnte. Möge im Bürgerverein Apricke, der ja Ende 1996 seine erste inoffizielle Veranstaltung in seiner eigenen (in Eigenarbeit errichteten) Hütte machte und der sehr viel zum äußeren Gestaltung des Dorfbildes und zum Wohl der Bevölkerung tut, eine gute Zukunft beschieden sein! Ich danke Ihnen. 
 


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