Ordination durch Superintendent Fritz Schwarz (Herne)
am 23. Januar 1977
(mit einer etwas nostalgischen Beilage - neuerdings dreiteilig! - zum Wirken von Fritz Schwarz)
Zuletzt ergänzt am 29.9.2006 - letzter Artikel zu Fritz Schwarz hier
 

Ansprache FG nach der Ordination am 23. Januar 1977 in Herne-Baukau
(Sechs Pfarrer wurden an diesem Tag in der Ev. Kirche von Baukau durch den Superintendenten Fritz Schwarz ordiniert: Dirk Bobe, Friedhelm Groth, Rainer Sudbrack, Helmut Schröder, Walter Tschirch und Wolfgang Winkler. Zwei der sechs waren aus der vom gleichen Fritz Schwarz ermöglichten Theologen-Wohngemeinschaft „Grüne Zelle“ in Wanne-Mitte im dortigen Pfarrhaus (zur damaligen "Grünen Zelle" weiterführende Infos hier erneuert): Helmut und Friedhelm. Die folgende Ansprache von FG fand im Gemeindehaus statt, wo sehr viele Gäste zum Empfang mit einem vom Kirchenkreis Herne gespendeten Kalten Büfett versammelt waren.)
Verehrte Damen und Herren, liebe Schwestern und Brüder!  
Im Namen der heute Ordinierten möchte ich Ihnen sagen: Wir freuen uns an diesem Tag, und zwar über das Wichtige, was im Festgottesdienst gesagt und getan wurde, genauso wie darüber, dass wir hier mit Ihnen zusammen sein und feiern dürfen. Ganz herzlich danken wir für all die guten Wünsche, die Sie hier öffentlich und privat ausgedrückt haben. Unser besonderer Dank gilt dem Kirchenkreis, der diese Feier ermöglichte sowie dem Presbyterium Baukau und nicht zuletzt allen, die hier bei der Gestaltung mitgeholfen haben.
Nun erwarten Sie sicherlich, dass ich auch noch ein geistliches Wort zur Lage sage. Stattdessen möchte ich eine kleine Geschichte erzählen; die habe ich überschrieben mit: 


Eine christliche Legende zur Ordination
Schön war die Ordination gewesen, feierlich; lebendig beeindruckend für viele, aber - wie kann's anders sein in evangelischen Gottesdiensten? - für einen Teil eben doch eine Veranstaltung mit Fragezeichen.
Nur von wenigen der Gottesdienstbesucher wurde jener etwa 30-jährige junge Mann bemerkt, wahrscheinlich ein Ausländer, der - halbverdeckt durch eine Säule - am Rande der Kirche saß und sehr aufmerksam, wenn auch unauffällig, den Festgottesdienst verfolgte. Seltsam, offensichtlich ein Fremder, ein ganz Unbekannter, der reges Interesse an einem Festgottesdienst zeigte!!
Jedenfalls: die Predigt des Superintendenten schien ihm gefallen zu haben, manchmal nickte er fast unmerklich, sogar bei den Liedern sang er mit...
Schluss-Stück der Orgel, Ende des Gottesdienstes. Mit als letzter verließ er die Kirche und schloss sich denen an, die zur Nachfeier wollten. Eine dicke Aktentasche hatte er an der Hand, an der er wohl sehr schwer tragen musste. Die ihn so die Tasche tragen sahen, dachten: "Mit so einer dicken Tasche kommt der zum Fest, komisch..."
Doch noch seltsamer hätten sie es gefunden, wenn er ihnen den Inhalt seiner Tasche verraten hätte: prallvolle, ansprechend gestaltet Programme und Gemeindebriefe aus dem Kirchenkreis, architektonisch sauber gestaltete Friedhofskapellen-Entwürfe für Presbyterien, ein Jahrgang "Unsere Kirche" mit Herner Beilage, ein paar Bände theologische Standardliteratur für werdende Pfarrer, z.B. "Kirche und Amt, heute - morgen - übermorgen", "Ende der Volkskirche, ja oder nein?", "Worte zur Lage, ins Leere gesagt", "Das Pfarramt als Krisenmanagement" usw. sowie eine umfangreiche, leicht vergilbte Broschüre mit wortreichen, gut ausgedrückten Resolutionen der westfälischen Landeskirche zu jedem Problem, das sich der Zeitgenosse ausdenken kann.
Kurzum: Der Inhalt jener Tasche war ein repräsentativer Querschnitt all dessen, was als Niederschlag des Geistes der Kirche zu Druckerschwärze wird. Nun vermute ich, dass ein Teil davon auch der Herren Berufschristen eigener Geist war, denn die Tasche schleppte sich außerordentlich schwer! Ja, unser seltsamer Fremdling hatte sich schon eingehend in den Problemkreis "Ordination und Pfarramt" eingearbeitet!
Bei den Grußworten vor dem Kalten Büffet meldete auch er sich zu Wort. Ganz kurz wies er die Anwesenden auf den Inhalt seiner Tasche und auf seine Lektüre der letzten Wochen hin; dann kam er sofort auf das Thema "Ordination" zu sprechen.
"Lateinisch kann ich nicht", sagte er, "ich bin schließlich auch nur Laie. Ich weiß nur, dass das Wort Ordination von ‚ordo' = Reihe kommt und soviel bedeutet wie: ‚in die Reihe stellen". "In die Reihe stellen", wiederholte er nachdenklich und leise. "In welche Reihe denn? Hat nicht, wie all die Literatur zeigt, diese eure pluralistische Kirche verwirrend viele Gesichter!? Gibt es da nicht die Reihe der aktivistischen Planer und Macher, die Reihe der ‚Immobilienhändler', die die Kirche so sehen wie unbeweglichen Grundbesitz, die Reihe der Konkursverwalter, die Reihe der Halbherzigen, die Reihe der Kopfnicker, die Reihe der konservativen und fortschrittlichen Wirrköpfe, die Reihe der kamelverschluckenden und mückenseienden Theoretiker?"
Wie er das alles so anschaulich fragte und sagte, dachten wir bald an diese(n), bald an jene(n) unter unseren Brüdern und Schwestern und nickten bereitwillig im Geiste. Aber er ließ uns alle nicht ungeschoren und zeigte uns wie in einem Spiegel, dass gerade und zuerst wir selber angesprochen waren.. Als er das alles da so sagte und fragte, wurde mir selber jedenfalls außerordentlich unbehaglich: Gehörte ich nicht zu mehreren der genannten Reihen auf einmal!? So stellte ich mir komischerweise die Frage: Wärst du eigentlich in der Kirche genauso aktiv, wenn du nicht Berufschrist wärst und auch noch dazu gut bezahlt würdest!? Hatte ich nicht oft die Versuchung gespürt, die ‚Kappe zu werfen'!? So viele Steine im Weg, Steine in der Gemeinde und Steine in mir, Steine auch, mit denen geworfen wird - und immer wieder neu ackern... All solche Gedanken und Fragen kamen hoch, als der Fremde da über Ordination sprach.
Plötzlich trat eine jähe Stille ein, fast ein Schock. Der Fremde sagte seinen Namen: "Jesus N. heiße ich." Ganz leise sagte er das, doch in uns hallte es wider: "Jesus N.!? Das sollte ER sein!? So haben wir uns ihn gar nicht vorgestellt, so sozusagen menschgeworden. Haben wir ihn nicht oft monatelang vergessen, und stattdessen ‚mit der Stange im Nebel herumgewühlt'!? Als Idee haben wir ihn manchmal gedacht, als Ersatzwort für Liebe, als gutes Prinzip, als großes Vorbild der Vergangenheit, als farblose Motivation, die Gesellschaft zu bessern, als theologische Gebrauchsformel, als Buchtitel, als Dauer-Predigttext, als bloßes Wort der Druckerschwärze.
Manche von uns fragten sich, ob es nach den theologischen Diskussionen der letzten Jahren nicht theologisch verboten sei, dass er da so anschaulich vor uns stand: Das war doch zu konkret, zu lebendig, zu leibhaftig, oder!?
Recht belämmert müssen wir ihn wohl angestarrt haben, doch da hat jener Jesus N. gelächelt und uns zugeblinzelt. Und die Bibelfesteren unter uns wussten: Dieses Lächeln und Zublinzeln, das hieß soviel wie sein "Fürchtet euch nicht". "Übrigens," so fuhr Jesus N. fort: "ich will nur was zitieren. Auch mir liegt's nicht daran, immer nur beim Krisengeschwätz stehen zu bleiben und mit Katastrophenmeldungen zu kokettieren, auch wenn die Tasche da verflixt schwer ist. Und was ich da zu den Reihen gesagt habe, das ist nie und nimmer mein letztes Wort. Ihr habt euch doch von mir eine richtige Reihe eingeprägt - Ihr wisst doch - die mit den uralten Worten: ‚Es komme dein Reich, es geschehe dein Wille, hier und darüber hinaus'. So macht die Augen auf, die Reihe derer, die ernsthaft so bitten, die gibt's, ganz konkret, in eurer provinziellen Volkskirche!"
Wie der Fremdling das so sagte, klang es gar nicht nach dem berüchtigten ‚frommen Schwanz', im Gegenteil; auch nach seinem Weggehen mussten wir immer wieder denken an sein Lächeln und an sein Zublinzeln.

 Link zu einem Pedro-Text, der "typisch Fritz Schwarz" ist: http://people.freenet.de/grothi/pedro.htm
 


Text 1 zu Fritz Schwarz (aus dem Internet aus einer früheren Seite einer Gemeinde in Essen)

Im Juli 1985 wurde Fritz Schwarz im Alter von 55 Jahren plötzlich von Gott heimgerufen. Zwei Monate zuvor waren wir mit unserem Presbyterium bei ihm zu Besuch gewesen zu einem längeren Gespräch. Dabei hatte er uns zugesagt, zu einer ausführlichen Beratung in unsere Gemeinde zu kommen. Dies konnte nicht mehr verwirklicht werden.

Wer war dieser Mann, so dass wir ihn um Beratung für unsere Gemeinde baten?

Fritz Schwarz war Superintendent im Ruhrgebiet, im Kirchenkreis Herne. Als ‚unbeschriebenes Blatt‘ habe man ihn seinerzeit zum Superintendenten gewählt, sagte er lächelnd in unserem Gespräch. Die Synodalen wussten nicht, welche bedeutende Wahl sie damals getroffen hatten, die besonders für ihren Kirchenkreis, aber auch für die gesamte Entwicklung in Kirche und Theologie in ganz Deutschland von höchster Wirksamkeit war.

Fritz Schwarz war zunächst ein ganz ‚normaler‘ Superintendent. Aber zunehmend quälte ihn der Niedergang der evangelischen Kirche seit Ende der 60-er Jahre. Doch im Gegensatz zu vielen anderen verantwortlichen Kirchenmännern konnte er sich nicht resignierend oder beschönigend damit abfinden. Im Gespräch mit einigen gleichgesinnten Pfarrern seines Kirchenkreises erprobte und förderte er einen damals ganz neuen Stil des Gemeindeaufbaus. Er setzte nicht mehr voraus, dass ein getaufter Mensch zur Kirche Jesu Christi gehöre, sondern betonte den Unterschied zwischen der Institution Kirche und der wahren Gemeinde Jesu.

Fritz Schwarz hatte gemerkt und nicht verdrängt, dass vielfach nur noch ein kirchlicher Betrieb lief, ohne dass Menschen zu einem persönlichen Glauben an Jesus Christus gerufen und angeleitet wurden.
Dies wollte er ändern mit seinem in mehreren Gemeinden seines Kirchenkreises durchgeführten Programm der „überschaubaren Gemeinde“. Bis Ende der 70-er Jahre wurde dieses Programm mit grossem Erfolg erprobt. Erst dann ging Fritz Schwarz durch seine Bücher an die grössere Öffentlichkeit. Innerhalb von 6 Jahren erschienen 7 Bücher aus seiner Feder zum Thema ‚Gemeindeaufbau‘, darunter das, was auch in die theologische akademische Diskussion hineinwirkte und ganz neue Akzente in der Theologie setzte: „Theologie des Gemeindeaufbaus“. 

Fritz Schwarz ging den umgekehrten Weg vieler anderer theologischer Schreiber: 
er entwarf nicht am Schreibtisch ein Konzept, das dann andere ausprobieren sollten und das dann oft nicht funktionierte. Er publizierte das, was sich in seinem Kirchenkreis bewährt hatte. 
Natürlich war Fritz Schwarz durch seine oft prägnanten und sehr kirchenkritischen Formulierungen vielfach angefeindet. Wer lässt sich schon gern aus seiner behäbigen kirchlichen Friedhofsruhe aufschrecken? Aber diese Kirchenkritik entstammte einer tiefen Liebe zu Jesus. Seine Argumentation beliess es nicht bei negativer Kritik, sondern zeigte konkrete, erprobte Wege zur Erneuerung der Gemeinden auf. Natürlich sind diese Wege mit viel Mühe und Arbeit verbunden, aber auch mit viel Freude. Ja, die Freude an Jesus und an dem, was Jesus uns geschenkt hat und noch täglich schenkt, ist das bestimmende Element in allen Reden und Schriften von Fritz Schwarz.

Wenige Tage vor seinem Tode schrieb er: "Ich will ein Lobsänger Gottes werden, um darüber so gütig zu werden, anderen Menschen Schönes zu erweisen. Ich danke allen Menschen, die mir Schönes erwiesen haben, um in mir die Sehnsucht zu erwecken, Lobsänger zu werden“.


Text 2 zu Fritz Schwarz, entnommen von der früheren Seite "Archiv der Ev. Kirchengemeinde Holsterhausen" des Kirchenkreises Herne

 

Erinnerung an Fritz Schwarz

Es ist immer noch so: Wer an den Kirchenkreis Herne denkt, denkt auch an Fritz Schwarz. Wer an Fritz Schwarz denkt, denkt - mancher wohl oder übel - an den missionarischen Gemeindeaufbau. Und wer sich die hagere Gestalt des ehemaligen Herner Superintendenten vor sein geistiges Auge malt, der sieht den kraftvollen, leidenschaftlichen Prediger an Offenen Abenden, den hartnäckigen, aber liebevollen Gesprächspartner in Mitarbeiterkreisen und vielleicht auch den würdevoll-wortkargen Teilnehmer an Konferenzen und Sitzungen, der sich nur manchmal zu einem knappen, aber äußerst pointierten Statement hinreißen ließ.
Das alles sehe ich auch - und vermisse es. Aber zumindest genauso stark haben die kleinen menschlichen Begegnungen am Rande, die inoffiziellen, meine Erinnerung an Fritz Schwarz unauslöschlich geprägt.
Ich sehe Fritz Schwarz sitzen am Frühstückstisch in Villigst. Endlich findet die erste Tagung zum Thema "Gemeindeaufbau" statt. Weitere Personen am Tisch: ein Oberkirchenrat, ein zweiter Superintendent und ich als noch recht junger Pfarrer. Auf dem Tisch: das übliche deutsche Frühstücksensemble und neben einigen Scheiben Öko-Brot 5 frische knusprige Brötchen. Fünf für vier Personen!
Jeder greift sich natürlich zuerst eines der Brötchen. Jeder geniert sich dann, das fünfte zu nehmen, d.h., bis auf Fritz Schwarz. Der fasst fröhlich in den Brötchenkorb. Und in die vornehm erstaunten Gesichter der anderen sagt er schmunzelnd: "Ich habe meinem Herrn doch eben schon dafür gedankt!"
Ich sehe - und höre - Fritz Schwarz zu den recht verdutzten Mitarbeitern einer Gemeinde sagen: "Vor 9.00 Uhr morgens kann ich noch gar nicht glauben, vor 10.00 Uhr noch gar nicht loben."
Ich sehe Fritz Schwarz mit einigen Theologiestudenten in einem Kleinbus sitzen. Sie fahren nach Gelsenkirchen, um auf Schalke Gemeinschaft zu pflegen. Plötzlich - wie aus heiterem Himmel - fragt er die beiden Studenten auf seiner Sitzbank: "Sagt mal, liebt ihr eigentlich Jesus?" - Die Diskussion über diese unverschämte Frage dauerte noch bis zu Beginn der zweiten Halbzeit auf Schalke. [Die Geschichte Johnny's stammt von FG und wurde von diesem erlebt; zu den Fahrten zum S04 mit Sup. Schwarz vgl. auch www.kaffeestuebchen.eu/pastoerchen/premiere.htm]
Ich sehe Fritz Schwarz bei uns in der Overwegstraße in der Küche sitzen, vor sich einen Pott Kaffee, die Zigarette qualmt. Wir haben wieder mal "eine Schlacht geschlagen" und meinten - nicht zum ersten mal - irgendwie "Prügel" bezogen zu haben. Wir konnten nicht verstehen, warum so viele Menschen, die sich Christen nennen, nichts von Jesus wissen wollen und warum so viele Theologen nicht erkennen, dass der missionarische Gemeindeaufbau zum Wesen der Kirche gehört. Und ich erzählte ihm - auch nicht zum ersten Mal - von den Wunden, die mir geschlagen worden sind. Er schwieg. Dann zog er kräftig, geradezu exzessiv an seiner Zigarette, seine Schultern machten den Sog mit, und während er dann den Qualm ausstieß, sagte er nur: "Johnny, die sind doch alle doof !"
Mir hat das damals mehr geholfen als ein schönes Bibelwort.
An all diesen Geschichten wird deutlich, und das habe ich von Fritz Schwarz gelernt, dass echte Menschlichkeit, Humor, Bodenständigkeit und eine entwaffnende Nüchternheit keineswegs im Gegensatz zur Liebe zu Jesus stehen.

Pfarrer Jürgen Jaworski

Zusatz FG zu obiger Schalke-Anekdote:
Fritz Schwarz war Schalker durch und durch - und er trug dazu bei, dass ich mich "zu Schalke bekehrte". Das war eine richtige Bekehrung wie im Bilderbuch, von der ich Zeit und Stunde noch weiß: Als er mich einlud, mit ihm zur Glückauf-Kampfbahn zu fahren - das war mein allleraller-erstes Schalke-Spiel - das letzte in der altehrwürdigen Glückauf-Kampfbahn,
In der Schalke-Geschichte ist das ein historisches Datum: Nach dem letzten Bundesligaspiel der Saison am 6. Juni 1973 gegen den HSV, in dem der Klassenerhalt durch einen 2:0-Sieg gesichert wurde, wurde das Stadion nur noch für Amateur- und Jugendspiele genutzt. 
Von da an besuchten wir beide oft gemeinsam das Parkstadion - oder fuhren zu diversen Auswärtsspielen im Westen...


Text 3 zu Fritz Schwarz, entnommen dem Herner Regionalteil von UNSERE KIRCHE im Juli 2006 (mit freundlicher Genehmigung der Autorin Marie-Luise Graffmann, Synodalvikarin im Kirchenkreis Herne). FG fügt zu dem Artikel hinzu, dass Fritz Schwarz im Jahr 2006 auch 75 Jahre alt geworden wäre: geboren am 18. Januar 1931.

Fritz Schwarz .  20. Todestag

Am 5. Juli jährte sich zum 20. Mal der Todestag von Fritz Schwarz, Superintendent des Kirchenkreises Herne für die Gemeinden in Castrop–Rauxel, Herne und Wanne–Eickel von 1967 bis 1985, der in der Evangelischen Kirche von Westfalen und weit darüber hinaus missionarischen Gemeindeaufbau zum Gesprächs – und Diskussionsthema gemacht hat und der ihn vor allem auch praktiziert hat. Getrieben von einer tiefen Liebe zu Jesus und zu den Menschen wollte Fritz Schwarz, dass möglichst viele das „einfache Evangelium“ hören und darin entdecken können, wie sehr sich Gott nach jedem einzelnen Menschen sehnt und Kontakt zu ihm haben will. Er wollte, dass "aus Kirchenmitgliedern Christen werden". Konkurrenzlos wichtig soll Jesus den Menschen werden. Darin sah er die Hauptaufgabe der Kirche. Für Fritz Schwarz war es selbstverständlich, dass bei dieser Aufgabe der Einsatz für die Schwachen und Unterdrückten in der Nähe und in der Ferne nicht ausgeklammert werden durfte. Er war getragen von der Hoffnung, dass Jesus Christus seine Gemeinde baut und dazu Menschen gebraucht, auch wenn sie Fehler machen und schuldig werden. Er versuchte, seinen Kirchenkreis mit einem ganzheitlichen Konzept von missionarischem Gemeindeaufbau zu durchdringen. Das „linke“ Projekt „Informationszentrum Dritte Welt“ (gegründet 1976) gehörte genauso dazu wie ungezählte Jugendwochen, Meetings, Lord´s Parties, Freizeiten, Offene Abende, Stehlampengespräche, usw. Superintendent Fritz Schwarz schuf Platz für eine Arbeit, die damals keine Vorbilder in der deutschen Amtskirche hatte. Diesem Anliegen haben sich in unmittelbarer Nachfolge Superintendent i.R. Klaus – Peter Röber und die anderen Verantwortlichen des Kirchenkreises in all den Jahren verpflichtet gewusst. Neben vielen phantasievollen Bemühungen in den Gemeinden und Fachbereichen, die Botschaft von Jesus Christus Menschen so verständlich zu machen, dass sie ihr Leben trägt, gab es in der Vergangenheit verschiedene größere Projekte, wie „Neu anfangen“ und „Offene Türen“, die direkt vom Kirchenkreis angestoßen wurden. Der jetzige Superintendent Reiner Rimkus stellt sich bewusst in diese Tradition. In seinem Bericht vor der Kreissynode am 25. Juni hat er sich deutlich für einen Prozess und ein Projekt ausgesprochen, in dem in den kommenden Jahren „in der Vielfältigkeit unseres Kirchenkreises miteinander versucht werden soll, die Distanz der Menschen zur Kirche und die Distanz der Kirche zu den Menschen zu überwinden und sie zum Glauben und zur Gemeinde einzuladen". Zusammen mit Weggefährten von Fritz Schwarz, Sup. i.R. Röber, Pfr. Schröder, Pfr. Schneider, Pfr. i.R. Jaworski, Verwaltungsleiter Herrn Haber und Pastorin Graffmann, legte Superintendent Rimkus am Grab von Fritz Schwarz auf dem Evangelischen Friedhof Wanne-Süd am 5. Juli ein Blumengesteck nieder.                       mlg

 

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