Friedrich von Romberg, der Sklavenhändler aus dem Sauerland - unter besonderer Berücksichtigung der Geschichte Stephanopels...

 

Heimatkundlicher Vortrag von FG beim Rotary Club Hemer am 28. September 2015


 



http://www.besucherzaehler-homepage.de

Dieser Vortrag als PDF-Datei (25 DIN-A4-Seiten)  HIER und die Romberg-Version im "Schlüssel" 2015 HIER


Harald Korsch-Gerdes gewidmet, dem früh verstorbenen Freund, der den wichtigen ersten Stephanopel-Aufsatz schrieb und jetzt auch das 60. Lebensjahr vollendet hätte...

 

Meine Damen und Herren,
in vier Abschnitten versuche ich, Ihnen die Gestalt des Friedrich von Romberg und ein wenig von der Geschichte Stephanopels nahezubringen:

1. Annäherungen und Spurensuche: Bilder aus dem heutigen Hemer zu unserem Thema: Was erinnert in Sundwig, in Stephanopel und Frönsberg an Friedrich von Romberg?
2. Grundzüge des Lebens - Zusammensetzung eines Mosaiks: Wer war Friedrich von Romberg (geboren 1729 in Sundwig, gestorben 1819 in Brüssel)?
3. Das Bild, das sich uns von Friedrich von Romberg bietet: Wie sich im Laufe der Geschichte die Mosaiksteine zu diesem Leben zusammensetzten (ein Lehrstück)
4. Was aus dem "Haus Stephanopel", dem ältesten Haus des Ortes, bis 1950 wurde und was das merkwürdige Halbrelief an dem Haus vielleicht außerdem auch noch besagt…


1. Annäherungen und Spurensuche: Bilder aus dem heutigen Hemer zu unserem Thema
Wir machen und auf den Weg und suchen im heutigen Hemer, welche Orte mit diesem Friedrich von Romberg zu tun haben; z.T. habe ich mir auch alte Bilder dazu besorgt, die uns das Gesagte reizvoll verdeutlichen.

 


Unsere erste Station auf dem Weg, den
„Sklavenhändler aus dem Sauerland“
 (oben) kennen zu lernen, geht in die direkte Nachbarschaft der Alberts'schen Mühle und der heutigen Sundwiger Bonifatiuskirche, da kennt man diese Pizzeria La Grappa (Bei Alessandro).



Es handelt sich um ein umgebautes uraltes Haus, ein damaliges Fachwerkhaus, das Friedrich Rombergs Vater gehörte, dem Sundwiger Holzrichter Johann Bernhard Romberg, der ein Bürgerlicher war und mit fast 105 Jahren steinalt wurde. Der hatte zusammen mit seiner aus Schwerte stammenden Frau Katharina Elisabeth geb. Habich eine Reihe von Kindern, von denen die beiden jüngsten Söhne unermesslich reich wurden und beide wegen ihrer Verdienste im Transportgeschäft 1784 in den Adelstand erhoben: Johann Bernhard Friedrich Romberg (unsere Hauptperson, geboren 1729) und sein jüngerer Bruder, der Jüngste der ganzen Familie, Johann Christian Wienold Romberg, geboren 1732.
Diese Kinder alle sind also im Haus der heutigen Pizzeria geboren worden; es handelte sich bei diesem Haus und dem Land darum um ein kleines Gut, das der Graf von Romberg auf der Edelburg der Holzrichterfamilie überlassen hatte, warum auch immer. Die Vermutung, dass es sich um uneheliche Abstammung handelt, ist erwogen worden und ist höchst wahrscheinlich.



Interessant ist, dass im gleichen Haus in diesen Tagen Alessandro Scuderi (oben) zusätzlich zu seinem Geschäft eine Vierzimmer-Pension einrichtet; da kann man also praktisch im gleichen Haus übernachten, in dem das Sklavenhändler-Bruderpaar geboren wurde.

Es ist ein Haus mit einer eindrucksvollen Vergangenheit. In der ersten Zeit ging das Rombergsche Anwesen (durch Heirat einer Romberg-Tochter) auf einen Scheve aus Kalthof über. Im 20. Jahrundert war es in Sundwig erst bekannt als "Gasthof Bauer". Manchmal heißt es auch "Café Bauer" und auf Postkarten auch "Gasthaus zum Felsenmeer Sundwig".



Die Besitzer und Inhaber dieses ehrenwerten Hauses Theodor und Agathe Bauer starben bis Mitte der 50er Jahre. Lothar Kösling, Else Tafel (eine Verwandte aus der Familie Bauer) und ein Jude namens Josef Szuf führten es weiter. In den 70er Jahren wurde der Gasthof von dem Familienmitglied Karl Heinz Bauer zurückgekauft. Der war der Wirt in der "Kümmel-Klause", wie das Haus nun hieß. Dort ging es oft hoch her - auch manchmal mit Saufgelagen und Schlägereien der dort liebend gern verkehrenden kanadischen, irischen und englischen Soldaten. Auch als Disco wurde es dann legendär! Nachdem zuvor bei den alten Bauers sogar Graf Luckner aufgetreten war, waren es jetzt Schlagersänger wie Wolfgang Petry und Tom Astor, die dort ihre Showauftritte gaben. Als Disco hieß das Haus "Paradies" und später auch "chic 2000".

Wir zeigen hier andere historische Bilder:


 

Oben sieht man, dass "Radsport Ernst Schüttler" dort auch im Anbau unsere Hauses mal ansässig war.
Interessant sind die Bilder aus der Zeit um 1904 und 1905 (Seite 4), auf denen man das ehem. Rombergsche Haus von hinten sieht, eine Zeit, als die uralte Sundwiger Schule klein (auch mit Fachwerk 1904, aber 1905 nicht mehr!) von hinten gesehen vor unserem Haus stand und die Bonifatiuskirche nebenan (im Bildhintergrund) im Bau begriffen (1904) bzw. gerade erbaut (1905) worden war.



Oben 1904 und unten 1905: Das ehemalige Romberg-Haus von hinten.







Fahren wir von hier weiter ins schöne Stephanopeler Tal. Da geht es zentral um das eigentliche Stephanopel, damit meine ich NB das älteste und geschichtsträchtigste Haus des Ortes. Es ist das Patrizierhaus von 1771, das Haus der dortigen Garnbleiche, einer Gewerbeansiedlung, die königlich-preußisch genehmigt war. Kein Geringerer als Friedrich der Große hatte ihr die Erlaubnis gegeben, Stephanopel zu heißen. Stephanopel hat - sagt man - den Namen "Stephanstadt" nach dem Namen des Sohnes des Iserlohner Kaufmanns Johann Theodor Lürmann, einem der Initiatoren und Geldgeber dieser Garnbleiche; dessen Sohn war Stephan Lürmann. Kaufmann Lürmanns Kompagnons als Geldgeber waren zwei noch Reichere, die in der unmittelbaren Nachbarschaft geboren waren: Friedrich Romberg (damals noch nicht geadelt) und sein jüngerer Bruder Christian, von denen wir hörten.





 

Das Patrizierhaus, das Haus Stephanopel von 1771, hatte damals vorne eine schöne Treppe und über dem Haupteingang das bemerkenswerte Halbrelief mit der Überschrift "Zum Vorgebirge der Guten Hoffnung" (oben), das Schiffe zeigt, ferner Wasserwellen und sechs Häuser, eben das "Kap der Guten Hoffnung". "Vorgebirge der Guten Hoffnung" nannte man damals - auch in Büchern - das Kap der Guten Hoffnung in jener Zeit.

 



 

 

Die Initiatoren und Geldgeber Romberg und Lürmann hatten ihren Wohnsitz wohl nie in Stephanopel; da wohnte als verantwortlicher Mann der Faktor Gottlieb Caspari, der mit seiner Familie aus Sachsen stammte aus der Gegend der Lausitz und wohl als Textilfachmann hierher vom Textilfabrikanten Lürmann berufen worden war. Casparis gab es noch bis Ende des 20. Jahrhunderts in Stephanopel.

Hier folgen einige weitere Bilder vom Haus Stephanopel, heute eher baufällig und ohne die schöne Treppe, und das Halbrelief ist wegen der Verwitterung nur noch schemenhaft erkennbar. Was darauf zu lesen und zu sehen ist, weist auf jedenfalls auf das Geschäft eines der Geldgeber von Stephanopel hin: auf den in Sundwig geborenen späteren Baron von Romberg, den Geldgeber, der von Brüssel aus Schiffe mit besonderer Fracht um das Kap der Guten Hoffnung herumfuhr…

     

  

 

Wir verlassen Stephanopel und kommen nach Frönsberg, wo ja auch in der Geschichte das Adelsgeschlecht von Romberg, also die adlige Verwandtschaft unseres Friedrich Romberg ihren Sitz hatte im Haus Frönsberg. Dort in Frönsberg gibt es bis heute eine Hemeraner Straße, die unserem Friedrich von Romberg ein Denkmal setzt:
 



Und im von-Gymnichschen Buch "Hemers Straßennamen erzählen" wird Friedrich von Romberg als Namensgeber einer Straße in Hemer-Frönsberg wie folgt charakterisiert: "Als Baron von Romberg war er großzügig und edelmütig gegenüber Hilfsbedürftigen seiner Heimatgemeinde." Und dass er nach dem Hemeraner Brand von 1779 als Sponsor helfend eingegriffen hat, ist da ein Grund, dass dieser "treffliche, gemeinnützige Mann" Lob verdient hat.








2. Grundzüge des Lebens - Zusammensetzung eines Mosaiks: Wer war Friedrich von Romberg (geboren 1729 in Sundwig, gestorben 1819 in Brüssel)?
Es soll in Belgien weitere Abbildungen unseres Friedrich von Romberg geben; wir aber haben jetzt nur dieses:
 



 

Im Laufe der Zeit und besonders stark in den letzten Jahren hat sich historisch freilich das Bild, das man sich von Friedrich von Romberg machen kann, immer mehr ergänzt und verwandelt - wie aus Mosaiksteinen zusammengesetzt. An ihm, einem der wichtigen Männer der Wirtschaft im 18. Jahrhundert, wird bis in die Gegenwart hinein international weitergeforscht.

Wir wollen in diesem Abschnitt die Hauptlinien und Grundzüge seines Lebens, wie es sich uns jetzt darstellt, zusammenfassen.
Es ist so etwas wie das Märchen "vom Tellerwäscher zum Millionär", das hier zu schildern ist von den beiden Sundwiger Brüdern, eine spektakuläre Erfolgsgeschichte, wie sie heute in der Boulevardpresse Schlagzeilen machen würde, viel bedeutender und spektakulärer als die beiden anderen Sundwiger Brüder, die im Sachsenringprozess vor einiger Zeit Schlagzeilen machten…

Im schon genannten Haus in Sundwig wurde Friedrich am 5. August 1729 als zweitjüngster Sohn des alten Holzrichters Johann Bernhard Romberg geboren.

Das elterliche Gut umfasste kaum 12 Morgen Land; dieses war von Freiherr von Romberg zur Edelburg in Sundwig geschenkt worden.
Nachdem Friedrich und sein jüngerer Bruder Christian in der Schule wohl nur dürftige Elementarkenntnisse erlangt, wurden sie Lehrlinge bei Kaufmann Kissing, Kaufmann in Iserlohn, in die Lehre. Nach vollendeten Lehr- und Dienstjahren fanden sie, so viel man weiß, Anstellung in der Schülingschen Kattunfabrik in Augsburg. Diese Auskünfte sind genau so dem Hemeraner Kirchenarchiv entnommen.

Von da an gab es für beide eine steile kaufmännische Karriere! Wir können uns zum Verlauf und zu Einzelheiten dieser Karriere gut am Wikipedia-Artikel zu unserem Friedrich von Romberg orientieren; zu dessen Seriosität und Zuverlässigkeit gleich mehr [Der weitere Text zum Tombergschen Lebensweg lehnt sich sehr stark an diesen guten Wikipedia-Artikel an, den im Wesentlichen Jens Hahnwald (siehe unten) und im geringen Maße auch FG verfasst haben].

Romberg und sein jüngerer Bruder lebten seit 1756 in Brüssel und machten ihre Geschäfte gemeinsam. Zu Beginn handelten sie vornehmlich mit Textilien aus Schlesien und Sachsen. Später haben sich die Rombergs sehr erfolgreich als Transportunternehmer betätigt. Sie waren insbesondere auch im Transportgeschäft zwischen den österreichischen Niederlanden und Wien beschäftigt. Es gab aber auch Geschäftsbeziehungen in die Schweiz und nach Italien. Die Rombergs verfügten über hervorragende Beziehungen zu den in Brüssel residierenden Ministern der österreichischen Verwaltung. Daher erhielten sie günstige Zolltarife für die von ihm bediente Transitstrecke zwischen Ostende und Neapel mit Filialen in Löwen, Nancy und Lindau. Um 1780 setzte das Rombergsche Transportunternehmen als Zugtiere immerhin bis zu 200 Pferde ein.

Während des Amerikanischen Unabhängigkeitskrieges begann sich Friedrich Romberg auch als Reeder zu engagieren. Er ließ seine Schiffe dabei unter der neutralen kaiserlichen Flagge von Ostende auslaufen. Der Hafen von Ostende soll erst durch unsere beiden Sundwiger Brüder einen Namen erhalten haben!
Anlässlich eines Besuchs von Kaiser Joseph II. 1781 konnte Romberg auf eine Flotte von 94 Schiffen hinweisen. Er belieferte insbesondere die französischen Werften in Brest und Cherbourg mit 3000 Masten und zahlreichen weiteren Materialien für den Schiffbau. Im Jahr 1779 hat er erhebliche Summen für den nach einem Brand notwendigen Wiederaufbau von Hemer gespendet und in Brüssel eine Geldsammlung zu Gunsten seiner Heimatstadt veranstaltet. Wohl für diese Verdienste wurde in Hemer - wie wir schon hörten - eine Straße nach ihm benannt.

Er weitete daraufhin seine Geschäftstätigkeit auf verschiedene Geschäftsfelder und Standorte aus. In Ostende bestand die von seinem ältesten Sohn Frederick geführte Firma Frederick Romberg fils & Ricour.

In Brügge betrieb er eine Seeversicherung. In Gent bestand das Unternehmen Romberg & Cie. Dieses war auf den Sklavenhandel von Afrika nach Santo Domingo und Kuba spezialisiert. In Brüssel bestand eine von dem jüngeren Sohn Henry betriebene Produktion von Textilien. Diese produzierte vorwiegend für das Sklavengeschäft. In seiner Heimatregion war Friedrich Romberg zusammen mit seinem Bruder und Johann Theodor Lürmann maßgeblich an der Gründung und am Betrieb der Textilbleiche in Stephanopel beteiligt. Romberg & Cie bezog in den 1780er Jahren Garn und Wolle von dem Iserlohner Handelshaus Rupe und war für diesen auch als Transportunternehmer tätig. Romberg - mit guten Verbindungen zum Intendanten im Hennegau und dem Hof in Wien - war auch als Bankier tätig. Er lieferte an die Münze in Brüssel zwischen 1782 und 1785 zahlreiche Silberpesos und -barren. Im Jahr 1784 wurde er von Joseph II. zum Reichsritter ernannt - wie auch sein unverheirateter Bruder, der bald darauf starb.

Zusammen mit dem Bankhaus der Gebrüder Walckiers aus Brüssel und seinem ehemaligen Angestellten Georg Christoph Bapst gründete Friedrich Romberg 1783 die Firma Romberg, Bapst & Cie mit Sitz in Bordeaux für den Sklavenhandel. Das operative Geschäft wurde dabei im Wesentlichen von Henry Romberg und Bapst übernommen. Nach dem Tod des jungen Rombergs lag es in den Händen von Bapst. Das Anfangskapital betrug 600.000 Livres. Das Unternehmen stieg durch die Konjunktur in der westindischen Plantagenwirtschaft innerhalb weniger Jahre zur größten Sklavenhandelsfirma in Bordeaux auf. Bis 1791 schickte das Unternehmen mindestens ein Dutzend Sklavenschiffe aus. Allein zwischen 1787 und 1789 rüstete es sieben Schiffe aus und war damit die viertgrößte Reederei in Bordeaux. Die Kapitäne der Schiffe kauften vor allem an der Küste des heutigen Mosambik jeweils etwa 300 Sklaven. Diese wurden dann in der Karibik verkauft.

Am Türsturz über dem Haupteingang des Kontorhauses in Stephanopel ist ja das genannte und gezeigte Relief zu sehen, das Schiffe bei der Umrundung des Kaps der guten Hoffnung auf den Weg nach Amerika zeigt. Hinzu kam ein direktes wirtschaftliches Engagement in der Karibik selbst. Die Firma Romberg, Bapst & Cie verwaltete bis 1790 in Santo Domingo etwa 20 Plantagen für Indigo und Baumwolle. Einige davon wurden auch käuflich erworben. Des Weiteren versorgte sie die Inseln mit europäischen Waren und brachte die Produkte der Plantagen nach Europa, diese wurden teilweise von den familieneigenen Textilunternehmen weiterverarbeitet.

Bis zu Beginn der 1790er Jahre stieg die Zahl der Teilhaber auf 21 an. Das Kapital betrug die damals außerordentlich hohe Summe von 2,2 Millionen Livres. Die Einlage von 200.000 Livre stammte von Johann Jakob Bethmann. Das Unternehmen brach im Zuge der französischen Revolution und der Revolution in Haiti im Jahr 1793 zusammen. Es hatten aber schon zuvor wirtschaftliche Schwierigkeiten bestanden, da die Plantagenbesitzer häufig nicht die vereinbarte Menge von Gütern zur Bezahlung der Sklaven lieferten. Damit verbunden war eine Erschütterung der Finanzmärkte. Die Bankiersfamilie Bethmann etwa verlor Kapital im Wert von über einer Million Livres. Romberg konnte beim Zusammenbruch des Unternehmens ein beträchtliches Vermögen retten. Er investierte dies Kapital in den Kauf von Landgütern und Häusern in Paris, die ehemals Adeligen oder der Kirche gehört hatten.
Wohnsitz des Großindustriellen Friedrich von Romberg war Machelen bei Brüssel in diesem Riesenanwesen (unten); dort lebte Friedrich von Romberg mit seiner Frau und seinen fünf Kindern. Von da gab es durchaus mehrere Kontakte nach Sundwig - zum dortigen Gütchen mit dem Fachwerkhaus.



Zum Beispiel waren die Brüder bei der Goldenen Hochzeit der Eltern zur Stelle, und man liest, dass die beiden zum Fest ihrer alten Eltern am 1.9.1765 aus Brüssel angereist waren und in Sundwig ein Ehrenmahl gegeben hatten und dass einer der Programmpunkte dort am Fachwerkhaus ein Scheibenschießen war, bei dem Goldjubilar der Königsschuss gelang, so dass er Schützenkönig in Sundwig wurde.
14 Jahre später machte sich Friedrich Romberg für Sundwig und ganz Hemer verdient, dadurch, dass er nach dem verheerenden Brand eine große Summe spendete und eine Sammlung in Belgien veranlasste. Von 1000 Krontalern, die von Brüssel an den Katastrophenort Hemer flossen, ist die Rede bei Rombergs ersten Biographen Pfarrer Wulfert in Hemer (unten ein Blick ins Hemeraner Kollektenbuch zu jenem Anlass, Brüssel liest man da und mehrfach den Namen Romberg], und derselbe Wulfert schreibt auch in seiner Chronik, dass Christian von Romberg, der früh gestorbene Bruder, seinen Verwandten im Testament mehrere Legate je von 2000 Kronen vermachte.



Auch bei Pfr. Wulfert in seiner Hemer-Chronik steht, dass jener Kaiser Franz II., Kaiser im Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation, der, der unsere beiden Brüder in den Adelsstand versetzte - unten eine Abbildung des Anfangs dieses Adelsbriefs, den Joseph II. ausstellte - , ungeheuer große Stücke besonders auf Friedrich gehalten hat:

Nach Wulferts Schilderung ist Kaiser Joseph II. (Regierungszeit als Kaiser 1765 bis 1790), der beide Romberg-Brüder auch in den Adelstand versetzte, bei Besuchen in Brüssel mit Friedrich von Romberg gern Arm in Arm durch Brüssel gegangen, wobei das kaiserliche Gefolge in einigem Abstand hinterher kam, und in Paris habe der Kaiser seiner Schwester, der Königin Marie Antoinette (beide Geschwister Kinder der Kaiserin Maria Theresia und unten abgebildet), den gebürtigen Sundwiger vorgestellt mit dem Worten: "Hier habe ich das Vergnügen ew. Majestät den größten Kaufmann in meinen Staaten vorzustellen."
Schon angeklungen war, dass der alte Vater steinalt wurde und mit 105 Jahren in Sundwig starb; das war 1779. Das Amt des Holzrichters hatte der Alte schon längst an seinen ältesten Sohn Carl übergeben, und dieser Holzrichter Carl Romberg war auch für das Projekt Stephanopel zuständig: Dieser durfte für seine beiden jüngsten Brüder, die Geldgeber, sogar auch Ansprechpartner sein für die preußische Regierung und Geschäfte erledigen in Sachen Stephanopel.

Unser Friedrich von Romberg starb nach all den genannten letzten Krisen 1819 im neunzigsten Lebensjahr in Brüssel.







3. Das Bild, das sich uns von Friedrich von Romberg bietet: Wie sich im Laufe der Geschichte die Mosaiksteine zu diesem Leben zusammensetzten (ein Lehrstück)
Aus der Sicht der hiesigen Heimatkunde sind Johann von Romberg und Christian Romberg ein altbekanntes Brüderpaar. Der erste, der hier ihr Leben beschrieb, war (hier abgebildet) ein bedeutender Pfarrer und Heimatforscher, der ältere Wulfert, Friedrich Wilhelm Wulfert (1760 - 1847, unten), der Erbauer der Ebbergkirche und Namensgeber einer Hemeraner Schule und einer Straße.
 




 

Im Rahmen des Hemeraner Kirchenbuchs gibt es die schon genannte Wulfert-Chronik über die Geschichte von Hemer, und da sind die beiden Sundwiger Brüder ein Extra-Thema:
"Zwey merkwürdige Brüder aus Sundwig" - "ausgezeichnet durch seltenes Glük und Unglük", so wird in der Wulfert-Chronik dieser Abschnitt zur Rombergschen Biographie überschrieben (unten im Original), in dem diese Brüder nicht als sonderbar getadelt, sondern - nach damaligem Sprachgebrauch - als überaus bemerkenswert gelobt werden sollen.




Das ist sehr schön zu lesen, was da auf einer Reihe von Seiten zur Romberg-Vita zusammengefasst ist. Man kann nicht sagen, dass es nur ein verklärendes Bild der Brüder darstellt. Wulfert, der Pfarrer, zeichnet in diese Vita auch die mahnende Einsicht hinein, dass die Bäume nicht in den Himmel wachsen, deshalb auch die Unter-Überschrift: "seltenes Glück und seltenes Unglück". Aber natürlich handelt es sich um eine letztlich unkritische Darstellung aus dem damaligen Jahrhundert, in der man noch sinngemäß schreiben konnte, dass die bösen Neger einen Aufstand machten in Santo Domingo/Haiti und dem Romberg damit ganz viel von seinem Besitz abhanden kam: ein "Warenwerth von 900.000 Dukaten".
Auf diese Wulfertsche Darstellung wurde im Lauf der Jahre öfter zurückgegriffen: mehrfach wurde in der heimatlichen Presse und dann auch in der Heimatzeitschrift "Der Schlüssel" die Wulfertsche Sicht der Romberg-Geschichte als für Hemer wichtig dargestellt, z.B. vom heimatkundigen Lehrer Dr. Friedhelm Treude in diesem Zeitungsausschnitt der WR von 1949.




Und letztlich auf diesem Hintergrund gab es dann auch die genannte Romberg-Straße in Frönsberg, die an diesen Katastrophenhelfer für Hemer und großzügigen Philantropen und dessen Heldengeschichte erinnern sollte.
Interessant ist ein anderer Zeitungsausschnitt aus dem IKZ von 2011 (unten): zwei jüngere Hemeraner Politiker ließen sich da aus über Hemeraner Straßennamen in einem IKZ-Artikel nach einer Tagung zum Thema, und sie sagten, Straßennamenänderungen wegen fragwürdiger Geehrter, das sei in Hemer kein akutes Problem; allerdings wird der Name Friedrich-von-Romberg-Straße da als möglicherweise schwierig angegeben.





Im Internet hatten zu jener Zeit Aktivisten Hemer und die Friedrich-von-Romberg-Straße schon längst auf dem Kieker, wie unter anderem dieses Bild (S. 17) zeigt. Bei freedom-roads.de, der sozialkritischen Seite "gegen kolonialistische Straßennamen" steht seit vielen Jahren schon von Romberg für Hemer auf der schwarzen Liste.



Inzwischen wussten Internet-Nutzer auch via Wikipedia schon viel mehr und anderes von diesem kolonialistischen Problem, das seinerzeit in Hemer negiert wurde!

Allerdings: schon in der heimischen Zeitschrift "Der Schlüssel" hatte schon 1976 ein Artikel gestanden von Heidrun Treude, die da ein französisches Buch über die Sklavenhandelsaktivitäten von Rombergs exzerpiert hatte; dabei war Treudes Darstellung ganz bieder und brav und keineswegs sozialkritisch.
Anderes sah man dann ab 2010 in Wikipedia: der mit mir bekannte Arnsberger Historiker und Wikipedia-Aktivist Jens Hahnwald hatte sehr sehr kritische deutsche und internationale Bücher über europäischen Sklavenhandel gelesen und über jene Hauptrolle, die darin dieser Romberg spielte, gebührend im Artikel Friedrich von Romberg herausgearbeitet, wobei ich selbst viel Heimatgeschichtliches zu Romberg für diesen Artikel beigetragen habe. Mein eigener Schlüssel-Artikel über Romberg ist aus solchen Überlegungen hervorgegangen.
Eigentlich hätte es nach Heidrun Treudes Romberg-Artikel von 1976 in der hiesigen Heimatgeschichte bekannt sein müssen, dass der prominente Romberg führender Sklavenhändler war. Aber da wirkte offenbar ein Tabu!

Es kamen mehrere gelehrte Abhandlungen von Leuten wie Prof. Wilfried Reininghaus (S, 18) oder Hans-Heinrich Stopsack heraus, die von Romberg und heimischer Wirtschaftsgeschichte handelten, aber das Wort Sklave und Sklavenhandel wurde da - soweit ich das sah - niemals erwähnt. Mehrfach auch wurde die Stephanopeler Hausinschrift in hiesigen Heimat-Publikationen abgebildet - niemals aber mit dem Thema Sklavenhandel in Verbindung gebracht (anders als das Bild, das wir gerade aus dem Internet sahen, S. 17)! Umso mehr gibt es jetzt einige kritische Arbeiten, in denen Rombergs unselige Rolle beschrieben wird und die Hausinschrift genannt bzw. abgebildet wird, auch bei jener Protestseite im Internet…
Inwiefern das Ganze ein Lehrstück ist, muss ich nicht groß erklären.
Dass Leute, die sich als historische Kenner verstehen, missbilligend auf Wikipedia, die zweifelhafte Quelle herunter sehen, dazu jedenfalls besteht kein Anlass.



4. Was aus dem "Haus Stephanopel", dem ältesten Haus des Ortes, bis 1950 wurde und was das merkwürdige Halbrelief an dem Haus vielleicht außerdem auch noch besagt…
In diesem Schlusskapitel muss ich outen, wie ich überhaupt an das Thema "Haus Stephanopel" kam. Ich war ja 19 Jahre Pfarrer in Deilinghofen und hab mich da auch mehr und mehr mit Deilinghofer Heimatgeschichte und Kirchengeschichte beschäftigt, besonders intensiv mit dem Erbauer des Alten Pastorats in Deilinghofen, Pfarrer Gottfried Wilhelm Andreas Dümpelmann (gestorben 1791), das war ein stark von Herrnhut und vom Grafen Zinzendorf und seiner pietistischen Erneuerungsbewegung geprägter Pietist.




Man kann sagen, kurz gefasst, der war ein Erwecker und Erneuerer der Gemeinde, ein kirchlicher Reformator, der zu prägen wusste. Weshalb ich den jetzt in diesem Zusammenhang nenne: Der erste Bewohner von Stephanopel Caspari kam aus der Gegend von Herrnhut und war mit dem von Herrnhut geprägten Pietisten Dümpelmann besonders verbunden. Die Beiden bekamen es auch hin, dass Stephanopel kirchlich früh zu Deilinghofen gehörte.
Von Dümpelmanns Verständnis her war das Haus Stephanopel wohl eine missionarische Außenstelle, von der aus der erweckliche Neuaufbruch der evangelischen Kirche Wellen schlagen sollte.

Ich bin mir sicher, dass der fromme Gottlieb Caspari auf Stephanopel die Steininschrift (unten) nicht kaufmännisch-merkantilistisch gedeutet hat, sondern dass für ihn das Kap der guten Hoffnung ein christliches Symbol für missionarischen Neuaufbruch von Stephanopel aus war. Zinzendorf selbst vertrat ja so einen ökumenischen Internationalismus, er hat in die ganze Welt gewirkt, bis nach Übersee in die Kolonien, nach London und nach Grönland.
Und da war also Stephanopel das Vorgebirge der Guten Hoffnung, so wie die Pietisten ja überhaupt beseelt waren von der - wie sie das nannten - "Hoffnung besserer Zeiten für die Kirche…



Wenn das so richtig gedeutet ist, dann hat der erste Bewohner Caspari und seine Familie die Inschrift nicht zuerst auf Sklaven bezogen (so wie sie die Rombergs gemeint hatten), sondern auf die christliche Hoffnung. Bewusst taucht dieses Bild jetzt ein zweites Mal - in dieser Deutung hier in diesem Vortrag auf.

Und ein missionarischer Ort und ein Vorgebirge der so verstandenen Guten Hoffnung blieb Stephanopel! Jedenfalls das dortige "Patrizierhaus" mit der heutigen Hausnummer Stephanopel 61. Das kam 1890 in den Besitz der sehr frommen Familie Rohländer - hier das Stephanopeler Fabrikhaus dieser nicht mehr existierenden Firma C.D. Rohländer (unten), und der vorletzte Rohländer dieser Linie war Siegfried Rohländer, der verstorbene erste Ehemann meiner Frau Brigitte Rohländer-Groth.


 

Seitdem also bin ich mit diesem Haus verwandt, und ich weiß zudem als ehemaliger Deilinghofer Pastor, dass bis in die 50er Jahre dieser Teil von Stephanopel kirchlich zur Ev. Kirchengemeinde Deilinghofen gehörte und dass das Rohländersche Haus ein magnetischer Anziehungspunkt war für evangelische Christen der Umgebung!



1926 liest man von 300 Teilnehmenden: alljährlich fanden am Stephanopeler Haus die riesengroßen Missionsfeste statt, die ich auf meiner Webseite www.stephanopel.de  ausführlich beschrieben habe: auf der Unterdomain www.missionsfeste.stephanopel.de 
Auch Missionare anderer Hautfarben gaben sich da am Haus ein Stelldichein, an deren Tür über jener großen Treppe stand: Zum Vorgebirge der Guten Hoffnung…











Einige Literatur zum Thema - auch wieder stark orientiert an Wikipedia:

- Artikel Friedrich von Romberg, in: Deutsche Biographische Enzyklopädie, Bd. 8, München 2007, S. 515.
- Klaus Weber: Deutsche Kaufleute im Atlantikhandel 1680–1830. Unternehmen und Familien in Hamburg, Cádiz und Bordeaux.
München 2004, ISBN 3-406-51860-5, S. 195ff.
- Mark Häberlein: German Communities in 18th-Century Europe and North America. In: European migrants, diaspora and indigenous ethnic minorities.
Pisa 2009, S. 24.
- Jochen Meissner/Ulrich Mücke/Klaus Weber: Schwarzes Amerika. Eine Geschichte der Sklaverei. München 2008, ISBN 978-3-406-56225-9, S. 94f.
- Friedhelm Groth: Haus Stephanopel. Geldgeber Friedrich von Romberg und der internationale Sklavenhandel. Was das auffällige Halbrelief am Haus Stephanopel 61 zu erzählen hat. In: Der Schlüssel 1/2015, S. 2-19 im Internet als PDF HIER
- Heidrun  Treude,  Die  Rombergs  aus  Sundwig,  bedeutende  Kaufleute  und  Kolonisten,  in:  Der Schlüssel, Heimatzeitschrift für Hemer (1976), S. 52 – 61
- Alfred Ebbinghaus, Sundwig, Wohnsitz der Rombergs im 18. Jahrhundert, in : Der Schlüssel, Heimateitschrift für Hemer (1976),  S. 88-92.
- Richard Althaus, Romberg, ein sauerländischer Abenteuer... (nicht publiziert)
 - Derival, Le voyageur dans les Pays-Bas autrichiens, 1783, Band IV, S. 104.
- Claude Anspach, "Frédéric baron de Romberg. Seigneur de Machelen Sainte-Gertrude 1729-1819", in : Le Parchemin, n° 291, Brüssel, 1994, S. 161-181.
- Eine Arbeit des aus dem Sauerland stammenden Historikers Dr. Oliver Schulz (Paris) über Friedrich von Romberg ist im Entstehen begriffen.
Ferner:
- Wilfried Reininghaus, Johann  Theodor  Lürmann  und  die  Garnbleiche  von  Stephanopel  bei Hemer.  Merkantilismus,  Kaufleute  und  örtliche  Rivalitäten  im  18. Jahrhundert. In: Der Märker 41 (1992), Heft 4, S. 147 bis 162; im Internet als PDF HIER
- Harald Korsch-Gerdes (+), "Gebohren zu Stephanopel ..." - Eine Gewerbeansiedlung des 18. Jahrhunderts kommt zum Kirchspiel Deilinghofen. [Erstveröffentlicht in einem Sondergemeindebrief der ev. Kirchengemeinde Deilinghofen zum 222-Jahrs-Fest des Bestehens von Stephanopel am 20. Juni 1993 -  leicht überarbeitete Fassung in dem gedruckten Buch:], in: Das „Alte Pastorat“ in Deilinghofen und die dortigen Pfarrer von 1765 bis 1834 (Dümpelmann, Müller, Basse, Josephson I), Blätter zur Deilinghofer Kirchengeschichte, Heft 3, hg. von F. Groth, P. Kramme, H. Vicariesmann unter besonderer Mitarbeit von Harald Korsch-Gerdes, Deilinghofen 1994, S. 259-263 im Internet nachzulesen HIER
 
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Mündliche und telefonische Infos (vielen Dank!) von Facebook-Freunden aus der großen Hemer-Gruppe, ferner Dank an Vera Zahradnik, Hemer (die Enkelin von Theodor und Agathe Bauer, oben), an Alessandro Scuderi, Sundwig und an Uli Krumme, Hemer.
Dank für Bilder an Jürgen Grote, Hemer (oben das Bild, das Radsport Schüttler am ehem. Haus Romberg und das alte Bild vom gleichen Haus dadunter), Wolfgang Weinelt, Deilinghofen (Postkarte 1905; aus der Festschrift zum 100jährigen Jubiläum der Sundwiger Bonifatiuskirche, die mir W. Weinelt auch überließ). Das Bild oben von 1904 mit der Bonifatiuskirche Sundwig im Bau  ist aus dem o.g. Schlüssel-Artikel von Alfred Ebbinghaus 1976, Heft 3, S. 90.
Die anderen Bilder allesamt privat.