Vorbemerkung zu einer Aktualisierung:
Das hier unten folgende Thema der Deilinghofer Missionsfeste im bzw. am Rohländerschen Patrizierhaus in Stephanopel wurde von Friedhelm Groth  in dem Anzeigenblatt "Deilinghofer Käseblättchen" (Ausgabe Oktober 2018) zusammengefasst und liegt als Internet-Webseite (vielfach verlinkt und durch Beilagen erweitert) vor unter: www.pastoerchen.de/missionsfeste-stephanopel.htm.
Bilder und auch Texte, wie sie hier in stephanopel.de zu dem Thema der Missionsfeste zu sehen sind, kommen dann auch in variierter Form auf der Webseite von Oktober 2018 vor...
Das Stephanopeler Patrizierhaus, das von der Familie Rohländer 1890 erworben wurde, wird von den letzten Nachkommen bzw. Erben der Familie Rohländer voraussichtlich noch im Jahre 2018 verkauft...

 



Missionsfest bei Rohländers am "Haus Stephanopel": Stehend Paul Rohländer, sitzend (links neben dem ausländischen Gast) sein Bruder, der blinde Ernst Rohländer, Vater der späteren Elisabeth Müller

Die Missionsfeste bei Rohländers am "Haus Stephanopel"
(zuletzt ergänzt: 31.12.2003, 17.30 Uhr; unten in einem weiteren Abschnitt: die Bibelstunden bei Rohländers und Nachruf Paul Rohländer)

Der Märkische Landbote berichtete: "Frönsberg, 12. August 1926. Missionsfest in Stephanopel. Am 8. August war nach längerer Unterbrechung die Missionsgemeinde auf Einladung des Herrn Rohländer wieder zusammengetreten. Ueber 300 Teilnehmer hatten sich eingefunden. Allem Dank und aller Freude über diesen schönen Wiederbeginn des Missionsfestes in Stephanopel gab der Leiter, Pfarrer Axthelm aus Deilinghofen, in Ansprache und Gebet Ausdruck. (...) Pfarrer Viering (Hemer) berichtete aus der Geschichte des Missionswesens in hiesiger Gegend."

"Erinnerung" (Im Jahr 1993 erstellte Aufzeichnung  über die Missionsfeste von 1921 bis 1929 und 1945 bis ca. 1950 von Elisabeth Rohländer, geb. Müller)
Diese "Erinnerung"  wurde brieflich an Margarete Rohländer geleitet zur Weitergabe an den Deilinghofer Pfarrer Groth, der für eine Arbeit um solchen Text gebeten hatte. Elisabeth Müller war die Ehefrau von Pfr. Helmut Müller (beide sind inzwischen verstorben), die beide zuletzt in Berlin gelebt haben. Von da waren sie zur Gottesdienstlichen Feier ihrer Goldenen Hochzeit im Juni 2001 in die Stephanuskirche Deilinghofen, ihrer Traukirche, gekommen, und Pfr. Groth hielt den Gottesdienst. )

Über unsere Missionsfeste erzähle ich gern, auch heute noch. Schriftstücke stehen mir nicht zur Verfügung, ob sie je existiert haben? Keine Ahnung, ich weiß nur, daß jedes Jahr, meist im Juni, Juli auf der Terrasse gefeiert wurde. Die Pfähle wurden vom Boden durch die Dachluke nach unten geworfen, wir Kinder halfen, sie zum Ufer zu bringen. Die Firma stellte die Bretter zur Verfügung. Mit Hilfe freiwilliger Kräfte (meist Nachbarn) wurden die Pfähle am Freitagabend in die Erde gerammt, und bei beständigem Wetter nagelte man die Bretter samstags auf, ansonsten Sonntagmorgen. Das hallte durch das Tal, während wir Kinder Kaffeekessel und Kaffeekannen von den Nachbarn abholtenGebäck wurde für 250 - 300 Personen bei Paul Huck bestellt. Es gab Hefeteilchen, Schnecken mit Rosinen und Berliner Ballen. Die wurden in Waschkörben angeliefert und von uns in Tüten gegeben. Unangenehm waren die klebrigen Finger, wer sah es schon, wenn ich sie zwischendurch mal ableckte und dann weitereinpackte? (Die goldene Freiheit eines noch nicht Erwachsenen!) Der große Waschkessel im Keller wurde Tage vorher immer und immer wieder gescheuert, damit kein Seifengeschmack den Kaffee verdarb. Das mehl wurde in selbstgenähte Mullbeutel gegeben und fleißig bei siedendem Wasser runtergedrückt. Sie wurden in kochendes Wasser gelegt, aber dann wurde das feuer ganz klein gehalten. Das war der Wirkungsbereich von Oma, Deiner und meiner Mama. [Bild oben: Elisabeth Rohländer Vater, "der blinde Onkel Ernst" Rohländer, mit dem Tablett Margarete Rohländer, die Empfängerin dieses Berichtes.]


 

Zum Fest wurden eingeladen ein Missionar der Rheinischen Mission, nach Möglichkeit einer, der einen frischen Bericht aus seiner Tätigkeit geben konnte und der gerade auf Heimaturlaub war, als festredner kamen die Pfarrer aus den drei Kirchengemeinden Iserlohn, Hemer, Deilinghofen oder auch aus Dahle, Ihmert, Letmathe infrage. Ein Grußwort entrichteten die jeweiligen Stadtmissionare aus Westig (Jung, Wirtz, an Herrn König erinnere ich mich auch, evangelische Gesellschaft). Die Kollekte war stets für die Rhein. Mission bestimmt. Alle Besucher kamen meist zu Fuß, voran mit Pos.-Chor aus Deilinghofen, Hemer, in Scharen also. Im Kriege wurden solche Aufmärsche verboten. Pfr. Frommann u. Papa standen wegen des Missionsfestes sogar 1x vor der Gestapo. Ich höre Papa [den "blinden Onkel Ernst"] noch sagen: "Beim besten Willen kann ich Ihnen nicht sagen, wie die Leute herkommen. Ich sehe sie ja nicht!" Ab wann bis wann wir zu den Missionsfesten eingeladen haben, kann ich nicht sagen. Ich bin 1921 geboren. Sie fielen schon in meine Kindheit. Mit 13 Jahren kam ich auf die höhere Schule und entdeckte dann sehr schnell auch Helmut und seine Eltern unter den besuchern. Ob wir bis Ende des Krieges oder weiter gefeiert haben, weiß ich nicht mehr, Helmut übrigens auch nicht.
Aber eins ist mir in Erinnerung: Papa betete Wochen vorher um gutes Wetter, und nur 1x habe ich es erlebt, daß es einen kräftigen Regenschauer gab während der Veranstaltung, so daß alle besucher in den Nachbarhäusern u. bei uns unterschlupf fanden, u. als der Regen aufhörte, konnten die nassen Bänke nicht mehr benutzt werden, stehend wurde der Abschluß gemacht. Ich glaube, daß Gottes Segen reichlich floss, sonst wären nicht so viele Menschen gekommen. Was Du hiervon an den Deil. Pfarrer weitergeben willst, überlasse ich Dir. Grüß ihn..."  

 

     
 





Margarete Rohländer fügte zu diesem Bericht am 21.12.2003 hinzu: "Etwas ganz Wichtiges und Bekanntes waren die 'Missionstassen', die zu diesem großen Kaffeetrinken angeschafft wurden.Da hatten wir über 300 Stück von. Und ich weiß noch, wie Vater [Paul Rohländer] im Krieg bei den Bauern, als wir nichts zu essen hatten, Essbares gegen einige der Tassen tauschte." Sie ließ sich mit zwei der Tassen, die sie noch im Haushalt hat, fotografieren, und sie zeigte auch ein "Rezept" ihrer Mutter Frida, das belegt, dass der Stephanopeler Missionsfest-Kaffee eine Mischung aus 60% Bohnenkaffee und 40 % Malzkaffee war (das Rezept auf dem Bild unten).
Außerdem erzählte Margarete Rohländer Weiteres von dem einzigen Missionsfest mit Unwetter (s.o), bei dem scheinbar das Beten nichts geholfen hat: "Die Leute waren auch bei uns im Haus, auch die gesamte Treppe hoch voll von Menschen! Es war das Missionsfest, bei dem die höchste Kollekte aller Jahre eingenommen wurde!"

 

 


 

 

 

 

 

Zeitungsausschnitt zum Missionsfest bei Röhländers (IKZ, Sommer 1951 oder 1952):



Als die Treppe sich noch am Patrizierhaus befand: Paul Rohländer, Gretel Rohländer
und ihr Besuch: Rohländers aus Menden...


 


Zu den Bibelstunden im Hause Paul Rohländer im Stephanopeler Stammhaus

Margarete Rohländer (Jahrgang 1930) erzählt, dass in ihrem Elternhaus in ihrer Kindheit Bibelstunden immer an Freitagabenden stattgefunden haben. Nach dem 2. Weltkrieg fanden diese Bibelstunden einmal im Monat an Sonntagen morgens um 10 Uhr im Wohnzimmer statt. Etwa ein Dutzend Menschen kamen dort zusammen, und diese Bibelstunden habenbis etwa 1976/77 regelmäßig stattgefunden. Die Halter der Bibelstunden waren die entsprechenden Stadtmissionare aus der Ev. Gesellschaft (in Westig "an den Bahnschienen"), und zwar Stadtmissionar Wirts, danach dessen Nachfolger Jordan und Fischer. "Herr Jung, der Vater von Dr. Jung, kam dann auch zwischendurch, später auch der Vater von Gottfried König (CVJM Hemer)". Margarete erzählt weiter (wie es auch Brigitte Rohländer geschildert hat, die in ihren ersten Ehejahren zusammen mit ihrem Mann von 1969 bis 1977 Bewohnerin des Hauses und Teilnehmerin an diesen Gottesdiensten gewesen war), dass die Predigten immer etwa eine Stunde gedauert haben und dass es sich nicht um eine Bibelstunde in dem Sinn gehandelt hat, dass man um einen Tisch mit aufgeschlagener Bibel saß, sondern dass man "frontal" angepredigt wurde. Margarete fügte hinzu: "Die Mitbeteiligung der Zuhörerschaft beschränkte sich darauf, dass der 'blinde Onkel Ernst' (Ernst Rohländer) jeweils ein freies Gebet gesprochen hat. Er betete dann für die Gemeinde."
Sie, deren Vater ja auch Presbyter in Deilinghofen und danach 14 Jahre in Hemer gewesen war, hatte auch noch eine Erinnerung an ihren kleinen Bruder Siegfried, als der 3 oder 4 Jahre alt war. Wenn der Vater in der dicken Familienbibel las, dann wurde der Kleine manchmal ungeduldig; ihm war das Gebet des Vaters und der Text der Tageslosung genug, und er sagte einmal: "Pappa, aber heute nicht aus dem dicken Buch!"
Wir zeigen hier aus dieser Familienbibel die Doppelseite mit den Taufeinträgen der beiden Söhne Paul Gerhard Rohländer (1934 bis 1999) und Siegfried Rohländer (1941 bis 1999; Paul Gerhard ist auf den tag genau ein halbes Jahr nach Siegfried gestorben):


        
 

Aus der westfälischen Kirchenzeitung "Unsere Kirche", Sommer 1970: Nachruf Paul Rohländer

Selig sind die Toten, die in dem Herrn sterben. Offbg. Joh. 1:4,1:3

Am 12. August haben wir unsern Presbyter, Herrn Paul Rohländer, auf dem Heppingser Friedhof unter großer Anteilnahme der Gemeinde zu Grabe getragen. Im Alter von 72 Jahren ist er plötzlich und unerwartet im Frieden entschlafen. Wir verlieren in ihm einen Presbyter, der 14 Jahre hindurch sein Amt mit großer Treue versah und die damit verbundenen Aufgaben besonders ernst nahm. Schon in jungen Jahren öffnete er sich dem Evangelium. Fortan wußte er sich gerufen, in seiner bescheidenen und unaufdringlichen Art der Sache seines Herrn "im Tal" zu dienen. Die Älteren unter uns denken noch gern zurück an die bis in die fünfziger Jahre hinein weit und breit bekannten Missionsfeste, für die er Haus und Garten freudig zur Verfügung stellte. In Verbindung mit der Evangelischen Gesellschaft lud er regelmäßig zu Bibelstunden in seine Wohnung ein. Besonders lag ihm die Blätterverbreitung am Herzen. Es war sein Anliegen, in jeder Familie "Unsere Kirche" zu wissen. Deshalb schmerzte es ihn, wenn sich dieses Ziel nicht erreichen ließ oder wenn Sonntagsblätter abbestellt wurden. Herr Rohländer war keine kämpferische Natur. Er gehörte zu den "Stillen im Lande".
Alles, was ihm Not machte, auch im Blick auf die Gemeinde, breitete er im Gebet vor Gott aus.
Durch das Nachlassen seiner körperlichen Kräfte in den letzten Jahren reifte er der Ewigkeit entgegen in der Gewißheit: "Es kann mir nichts geschehen, als was Er hat ersehen, und was mir dienlich ist!" Die Gemeinde gedenkt ihres treuen Presbyters Paul Rohländer in Dankbarkeit.                                                        - K. -


"Da machen wir nichts!"
Dass Paul Rohländer ein harmoniebedürftiger Mann und wahrlich keine kämpferische Natur war, geht auch aus  einer Anekdote hervor: Es war, als sein Sohn Siegfried Brigitte Schneider heiratete (1969) und das junge Paar für die alten Butzenscheiben in ihrer Wohnung im Stammhaus Stephanopel neue Fensterrahmen für nötig befand. Die Fensterrahmen wurden bei einem Schreiner in der nahen Umgebung bestellt. Als der Auftrag ausgeführt war, stellten beim Versuch des Einbaus die Rohländers mit Schrecken fest: Die Rahmen waren viel zu groß gearbeitet, die schönen Butzenscheiben wären hindurchgefallen...
Kommentar des Seniors Paul Rohländer: "Da machen wir nichts! Wir können xxx ja nicht bloßstellen, und der hat doch auch nicht so viel Geld!" Siegfried und seine Brigitte mussten mit normalem Fensterglas in der neuen Wohnung im Rohländerschen Haus Stephanopel 61 vorlieb nehmen...
Aus gleicher Quelle eine kleine Szene zwischen Vater (Paul) und Sohn (Siegfried): Siegfried war gelernter Maschinenschlosser; das hatte er zu lernen gehabt, "weil man das in der Firma [C. D. Rohländer] sicherlich brauchen könnte" (was dann aber nie eintrat). Nun hatte Siegfried Rohländer sich zu einer Umschulung zum Krankenpfleger entschlossen. Dieser Umschulung stimmte Vater Paul Rohländer grundsätzlich einigermaßen zu, aber wenn schon, dann hätte Siegfried Rohländer doch in Hemer oder in Iserlohn oder in der Lungenklinik lernen sollen. "Aber warum unbedingt und ausgerechnet oben in Frönsberg, wo doch dein Onkel Ernst so sehr dagegen gekämpft hat, dass die dortige Anstalt in Frönsberg entstand." Dazu muss man wissen, dass so wie viele Stephanopeler sich deren Bürgermeister Ernst Rohländer ("der kleine Ernst")  in der Zeit der Planung  vehement (aber schließlich erfolglos) dagegen zur Wehr gesetzt hatte, dass eine solche Anstalt in Frönsberg eingerichtet wurde.
Diese Szene ist sicherlich typisch für Vater-Sohn-Beziehungen in jener Zeit, aber auch aussagekräftig für die damalige Beziehung der Stephanopeler zu dem, was im nahen Frönsberg ausgebaut wurde. Mit der Zeit übrigens ließ sich Vater Paul Rohländer besänftigen und fand es ganz in Ordnung, dass sein Sohn Siegfried in Frönsberg Krankenpfleger wurde.

Die Butzenscheiben des Patrizierhauses, die Brigitte so gerne behalten hätte, sieht man schön auf diesem alten Foto mit Hermann Rohländern und seinen drei Söhnen aus erster Ehe:
 


 

Und abschließend noch ein Bild von Paul Rohländer, Hermanns Sohn aus zweiter Ehe,
das ihn als Deilinghofer Presbyter zeigt:



Paul Rohländer noch als Deilinghofer Presbyter (mit Zylinder, links) in Balve,
dritter von rechts Pfr. Alfred Ravenschlag, Deilinghofen.


 

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