Texte von Gerhard Valentin
der zum Schluss bis zu seinem Tod 1975 in Deilinghofen
im Pfarrhaus in der Pastoratstr. 6 wohnte.

Eine Moritat und vier Gesangbuchlieder - mehr zum Verfasser hier  neu

Gerhard Valentin

Die Moritat vom Kirchenschlaf

Ihr Leute, hört nun die Geschichte,
die ich im strengen Kirchenton
zu meiner Orgel euch berichte
- womöglich kennt ihr sie auch schon.
Das Thema ist nicht zu erschöpfen,
wenn mancher auch darüber lacht,
und hat selbst höchst gelehrten Köpfen
viel Mühe und Verdruß gemacht;
Herr Meier, den ich heute traf,
nennt's den gesunden Kirchenschlaf.

Wenn der Herr Pfarrer voller Wonne
im Konfirmandenunterricht
von Bußgeist und von Gnadensonne
und andern Heilsartikeln spricht,
dann freuen sich die lieben Kindlein,
wobei ihr Grinsen sich verstärkt,
und der Herr Pfarrer müsste blind sein,
der dies Ergebnis nicht bemerkt;
drum freut sich selbst das dümmste Schaf
auf den gesunden Kirchenschlaf.

Wenn man am Sonntag eine Predigt
ganz wohlgesonnen hören will,
so wird man ziemlich rasch erledigt
durch Kanzelton und Kirchendrill;
und wenn sie dich genügend quälten,
kommt noch die neue Liturgie,
die ist nur für die Auserwählten,
Ich jedenfalls begreif sie nie
und profitiere deshalb brav
vom sehr gesunden Kirchenschlaf.

Wagt man ein Auge zu riskieren
in das geschätzte Kirchenblatt,
bekommt man leider gleich zu spüren,
wes Geistes Kind man vor sich hat:
der Redakteur ist unbeweglich,
und die Artikel sind naiv,
selbst Kirchenkunst wirkt ziemlich kläglich,
und Politik liegt völlig schief;
als Überschrift und Epitaph
passt: der gesunde Kirchenschlaf.

Ihr Leute, helft mir überlegen:
was kann die arme Kirche nun,
wenn solche Stimmen sie bewegen,
zu ihrer Seelenruhe tun?
Die Frage stellt man nur mit Bängnis,
und jedem leuchtet dabei ein:
es wäre wirklich ein Verhängnis,
drei Meilen hinterm Mond zu sein;
drum rüttelt alle, die's betraf,
aus dem gesunden Kirchenschlaf!
 

Gerhard Valentin ist der verstorbene Ehemann der Pfarrerin Sigrun Valentin-Bette, die in Deilinghofen von 1976 bis 1983 meine Vorgängerin war. Sohn Christian Valentin wohnt heute noch im Bereich der Ev. Kirchengemeinde Deilinghofen und ist mit vielen aus dem CVJM freundschaftlich verbunden.

Im Ev. Gesangbuch steht über Gerhard Valentin:
Valentin, Gerhard (VI,2), geb. 1919 in Berlin; Lehrer und Schauspieler in Berlin, Referent für musisch-kulturelle Bildungsarbeit im Landesjugendpfarramt Düsseldorf; gest. 1975 in Hemer-Deilinghofen. - T* 266, T 277 (Str.2-5), T 554, 573

Zusatz FG: Sterbeort Deilinghofen, wie es da im Gesangbuch steht, das stimmt nicht genau... In unserem Villigster Vikarskurs damals (in einer Gruppe mit Christel Schibilsky - heute Landeskirchenrätin Bielefeld und Günter Barenhoff - heute Diakoniechef in Münster) hatten wir auch eine kreative Unterrichtseinheit mit Gerhard Valentin, einem Schauspieler, den ich von Anfang an beeindruckend fand.
Erst später bekam ich richtig mit, dass es sich um einen sehr bemerkenswerten Menschen handelte. Er ist 1975 auf dem Weg zum Haus Villigst auf der Rotehausstraße tödlich verunglückt.

 

Die Gesangbuchtexte, die Valentin verfasste, drucken wir hier auch ab:

EG 266:
1dt. Der Tag, mein Gott, ist nun vergangen
und wird vom Dunkel überweht.
Am Morgen hast du Lob empfangen,
zu dir steigt unser Nachtgebet.
2dt. Die Erde rollt dem Tag entgegen;
wir ruhen aus in dieser Nacht
und danken dir, wenn wir uns legen,
dass deine Kirche immer wacht.
3dt. Denn unermüdlich, wie der Schimmer
des Morgens um die Erde geht,
ist immer ein Gebet und immer
ein Loblied wach, das vor dir steht.
4dt. Die Sonne, die uns sinkt, bringt drüben
den Menschen überm Meer das Licht:
und immer wird ein Mund sich üben,
der Dank für deine Taten spricht.
5dt. So sei es, Herr: die Reiche fallen,
dein Thron allein wird nicht zerstört;
dein Reich besteht und wächst, bis allen
dein großer, neuer Tag gehört.
Text: Gerhard Valentin 1964 nach dem englischen »The day thou gavest, Lord, is ended« von John F. Ellerton 1870
Melodie und Satz: Clement Cotterill Scholefield 1874
 

EG 277:
Kehrvers Herr, deine Güte reicht, so weit der Himmel ist,
und deine Wahrheit, so weit die Wolken gehen.
Der Kehrvers wird nach jeder Strophe wiederholt.
Strophen
1. Deine Gerechtigkeit steht wie die Berge,
und dein Gericht ist tief wie das Meer.
Menschen und Tieren willst du, Herr, ein Helfer sein.
2. Was deine Güte ist, lehr mich begreifen,
und deine Wahrheit mach mir bekannt;
denn ich verstehe nichts, wenn du es mir nicht sagst.
3. Täglich umgeben mich Worte und Stimmen,
aber ich höre gar nicht mehr hin;
denn deine Stimme höre ich nicht mehr heraus.
4. Wenn ich nichts hören kann, hilf mir dich rufen;
hilf mir dich hören, wenn du mich rufst;
hilf mir gehorchen, wenn du mich berufen willst.
5. Dein Wort der Wahrheit ist unsre Bewahrung;
aus deinem Leben leben wir auch;
und wir erkennen erst in deinem Licht das Licht.
Text: Kehrvers und Str. 1 Psalm 36,6-7; Str. 2-5 Gerhard Valentin 1965
Melodie: Herbert Beuerle 1965

 

Zwei Valentin-Lieder im  Hessen-Nassauischen Regionalteil des EG:

HN 554 Gottes Volk geht nicht allein

Kehrvers
Gottes Volk geht nicht allein durch die Zeiten,
Gott will selber bei ihm sein und es leiten.
Strophen
1. Das ist des Herrn Wort an uns:
wenn ich nun weggehe,
will ich den Vater bitten,
er möge euch einen Helfer, einen Beistand schicken,
der für alle Zeiten bei euch bleibt.
Der Kehrvers wird nach jeder Strophe wiederholt.
2. An den Jüngern wies es sich:
als sie der Geist ergriff
und wie ein Feuer brannte,
da blieben sie beieinander,
dankten Gott und hatten alles nun gemeinsam,
nichts für sich.
3. Möchte es auch uns geschehn,
dass uns das Feuer fasst,
das nicht verzehrt, doch leuchtet:
damit wir die Wege wissen, die wir gehen sollen,
wo ein Mensch den andern finden kann.
Text: Gerhard Valentin 1971
Melodie: Johannes Petzold 1972

 

HN 573 Lobt den Herrn



1. Lobt den Herrn, lobt den Herrn,
unter uns erblüht sein Stern.
Lobt den Herrn, lobt den Herrn,
unter uns erblüht sein Stern.
Er will uns zu Hilfe kommen,
und er ist uns täglich nah;
er kommt nicht nur zu den Frommen,
er ist für uns alle da.
2. Lobt den Herrn, lobt den Herrn,
er ist nicht mehr hoch und fern.
Lobt den Herrn, lobt den Herrn,
er ist nicht mehr hoch und fern.
Er hat allen Glanz verlassen,
der ihn von den Menschen trennt,
er geht jetzt durch unsre Straßen,
wartet, dass man ihn erkennt.
3. Lobt den Herrn, lobt den Herrn,
er hat seine Menschen gern.
Lobt den Herrn, lobt den Herrn,
er hat seine Menschen gern.
Hast du ihn noch nicht getroffen?
Wird dir nicht sein Wort gesagt?
Halte deine Türen offen,
denn er hat nach dir gefragt.
Text: Gerhard Valentin 1973
Melodie: aus Israel
 

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