Friedhelm Groth

Chronik zum Leben und Wirken des Hemeraner und dann Solinger Pfarrers
Johann Gangolf Wilhelm Forstmann (1706 bis 1759), der mit Tersteegen in Kontakt stand und ein glühender Verehrer und Schüler des Grafen Zinzendorf war
Auch ein Beitrag zur Erweckungszeit in Hemer im Jahr 1745, also vor bald 250 Jahren...

Mit einem "kirchengeschichtlichen" Anhang zur Sundwiger Mühle

 

 

Aus Friedhelm Groth, Blätter zur Deilinghofer Kirchengeschichte Heft 3: Chronikmäßiger Übersicht über Leben und Wirken des Hemeraner (und dann Solinger) Pfarrers J.G.W.Forstmann (und seines getreuen Schülers und Nachfolgers J.D.Angelkorte,  der in Forstmanns Solinger Zeit als Pfarrer in Hemer sehr stark von Forstmann „gesteuert“ wurde und strenger Zinzendorfianer war wie Forstmann). Zu Zinzendorf und Herrnhut in den Auswirkungen auf Hemer und die Grafschaft Mark vgl. auch FGs große Seite hier).
Das links zu sehende Porträt Forstmanns ist zu finden in der Sakristei der Ebbergkirche zu Hemer.

Johann Gangolf Wilhelm Forstmann, als Magisters- und danach Pfarrerssohn in Iserlohn geboren am 
25. Mai 1706 und gestorben am 3. Mai 1759 in Solingen, ist wohl mit Abstand der bedeutendste Pfarrer, der je in Hemer sein Amt führte. Alle wesentlichen Daten der Lebensgeschichte der beiden, Johann Gangolf Wilhelm  Forstmann (1706-1759) und seines Nachfolgers  Johann Diedrich Angelkorte (1710-1751), haben wir in dieser Chronik aufzulisten versucht, so dass der  Leser einen Einblick erhalten kann über Forstmanns und Angelkortes Wirken  im Sinne Zinzendorfs und der Brüdergemeinde, das weit über Hemer hinausreichte. 

Im Folgenden heißt Schl. Immer „Der Schlüssel“ (Hemeraner Heimatkundezeitschrift) und Wotschke I und Wotschke II bezeichnet folgende Arbeiten: Theodor Wotschke, Aus dem Briefwechsel des Pastors Johann Gangolf Wilhelm Forstmann mit  dem Grafen Zinzendorf, in: Monatshefte für Rheinische Kirchengeschichte 21 (1927), [Heft 8,] S.225-243; [Heft 9,]  S.257-287 (zitiert: Wotschke I).

Theodor Wotschke, [IV.] Zur Geschichte des Westfälischen Pietismus, in: Jahrbuch des Vereins für Westfälische Kirchengeschichte 34 (1933), S.39-103 (zitiert: Wotschke II). [Die die Hemeraner Kirchengeschichte betreffenden Briefe, die in Wotschke I und II veröffentlicht wurden, stammen aus dem Herrnhuter Archiv der Brüdergemeine und liegen uns allesamt in Originalkopie vor. Mikroverfilmt haben wir diese  für die hiesige Heimatgeschichte hochinteressanten Dokumente auch dem Stadtarchiv Hemer zukommen lassen.] Bei „Schunke“ handelt es sich um die maschinenschriftliche Dissertatin von Siegfried Schunke über die Herrnhuter in der Grafschaft Mark (Münster 1948/49).

1704: Einzusetzen aber ist nicht bei Forstmann selbst, sondern bei einem Laien, der zwei Jahre älter als Forstmann war und mit dem Duo Forstmann/Angelkorte zusammen begeisterter und prägender Pietist der Herrnhuter Richtung in Sundwig wirkte: Am 1.Januar 1704 wurde in Hemer Stephan Diedrich Rentzing  geboren, der in der Geschichte der Brüdergemeine eine Rolle spielte – in Sundwig und, wie zu zeigen wird, darüber hinaus; vgl. zu seiner Bedeutung etwa Schunke, S.92. Rentzing, ein Urahn des  heutigen Müllers Peter Alberts in Sundwig, wird hier auch ‘für die Deilinghofer Kirchengeschichte verrechnet’, da das Rentzingsche Anwesen (wo heute die alte Wassermühle steht), damals ‘Heppings Kotten’ genannt, Deilinghofer Kirchenbesitz war. Die Mühle in Sundwig war übrigens bis in die Zeit kurz nach dem Zweiten Weltkrieg ein Ort, an dem sich Freunde der Brüdergemeine zur Erbauung trafen (zur Mühle alles Wichtige hier).

1706: Am 25.Mai 1706 wurde Johann Gangolf Wilhelm Forstmann in  Iserlohn geboren als Sohn des Magisters Thomas Forstmann, der später bis 1727 Pfarrer in Hemer wirkte. Forstmann d.J. war als Hemeraner Pfarrer 1727-1732 des Vaters Amtsnachfolger und danach Pfarrer in Solingen, von wo aus er auf Hemer weiter stark einwirkte. Als glühender Verehrer des Grafen Zinzendorf war Forstmann d.J. eine Gestalt von Bedeutung mit Wirkungen über die lokalen Grenzen hinaus.

Vgl. zu ihm etwa den schönen Aufsatz von Georg Gudelius, in: Schüssel. 1/1959, S.5ff., ferner: K.F. Ledderhose, Artikel: Forstmann, in: Allgemeine Deutsche Biographie [ADB], Band 7, Berlin 1877[=Nachdruck 1968], S.190f.; K.F.Ledderhose, Leben Joh. Gangolf Wilhelm Forstmann’s, eines Predigers der Gerechtigkeit, die vor Gott gilt (in der Reihe: Sonntagsbibliothek. Lebensbeschreibungen christlich-frommer Männer zur Erweckung und Erbauung der Gemeine. Herausgegeben von Freunden des Reiches Gottes. Eingeleitet von Dr. A.Tholuck, Zweiter Band), 2.Auflage, Bielefeld 1850, S.237ff.

Forstmann, der von Hamann so Hochgelobte [s.u. in der Chronik zu 1759], ist eine der wenigen Persönlichkeiten unter den Geistlichen der Grafschaft Mark, die ‘in die Kirchengeschichte eingegangen’ sind; vgl. etwa:

Hermann Rothert, Kirchengeschichte des Westfälisch-Rheinischen Industriegebietes vom evangelischen Standpunkt (=Wissenschaftliche Heimatbücher für den Westfälisch-Rheinischen Industriebezirk, Bd. XIIa), Dortmund 1926, S.105-107, Erwin Mülhaupt, Rheinische Kirchengeschichte. Von den Anfängen bis 1945, Düsseldorf 1970, S.241 und 244. Wir haben in Deilinghofen viele Hunderte von kopierten Seiten der Werke von und über J.G.W.Forstmann gesammelt und möchten dazu gelegentlich eine eigene Arbeit herausbringen. 

1709: Am 11. und 12.Juli 1709 feierte man das 100-Jahr-Jubiläum des von  Magister Thomas Forstmann (Forstmann sen.) zur Blüte und zum Ruhm gebrachten ‘Lyceum Iserlohnense’ (vgl. den Vortrag „Lyceum Iserlohnense - Beitrag zur Geschichte des Iserlohner Schulwesens“ des Iserlohner Pfarrers Friedrich Ernst Reinhard Groscurth [1838-1923; vgl. Bauks, S.167 Nr.2127] über diese sehr bedeutende Iserlohner Bildungsanstalt, als Typoscript vorhanden im Burg-Archiv Iserlohn, in dem auf S.1ff. auf das Jubiläumsfest eingegangen wird).

Vgl. dazu auch: Georg Berkemeier/Wilhelm Bleicher/Gustav Muthmann (Hg.), Gymnasium Iserlohnenense 1609-1984, Iserlohn 1984, S.157f.

1710: Johann Diedrich Angelkorte, später Pfarrer in Hemer, wurde am  1.5.1710 in Iserlohn geboren. Neben seinem Vorgänger Pfarrer Forstmann  jun., der ihm geistlicher Vater blieb, wurde Angelkorte in Hemer wichtiger und  ziemlich radikaler Vorkämpfer der Herrnhuter Bewegung (zu ihm vgl. etwa:  Schl. 4/1975, S.19ff. und später zu nennende Literatur).

1711: In Hörde wurde am 30. Juli 1711 Johann Caspar Dümpelmann geboren (Bauks, S.106f. Nr.1369). Als Pfarrer in Hemmerde bei Unna wirkend, war er Vater des späteren Deilinghofer Pfarrers Gottfried Wilhelm Andreas Dümpelmann. Hemmerde  wurde im Verlauf des 18. Jahrhunderts eine wichtige Zentrale und Schaltstelle  der Herrnhuter Bewegung im märkischen Raum, und in der Dissertation von Siegfried Schunke über die Herrnhuter in der Mark wird Dümpelmann sen. zusammen mit Johann Gangolf Wilhelm Forstmann und Johann Diedrich Angelkorte aus Hemer und mit Johann Gottfried Westhoff aus Bausenhagen (bei Frönden­berg) zu den theologischen Vätern dieser Bewegung im hiesigen Raum gerechnet (zu Dümpelmann sen. vgl. Schunke, S.33ff.). Von  allen Vieren wird im Verlauf der Chronik viel zu schildern sein.

1717: Zum Reformationsjubiläum gab Magister Thomas Forst­mann seine  „Vita Lutheri“ heraus, eine umfangreiche Lutherbiographie mit 1894 Seiten (dazu vgl.:  Schl. 3/1983, S.103ff.).

1717: „1717, den 28ten November, alß der Her Magister Vorst­mann wolten  seine Eingangspredigt tuen zu Hemer, haben sich die Weiber alda auf dem  Kirchhofe so starck postiret, mit einem Fuder Steine und Klüppel woll verwahret und den Her Magister und etliche Bürger auß hiesiger Stadt darmit begrüßet.  Endlich sein sie doch mit starcker Handt in die Kirge gekommen und sich postiret vor daß Altar. Von wegen des grausames Tumultes had er sein Eigenwort  nicht hören können, had nur die Epistel S. Pauli und daß heilige Evangelium  abgelesen und darauf den Segen gesprochen. So had das blutige Treffen in und  außer der Kirge continuiret, daß ein guter Teil Iserlonisge und ein gut Teil Bauern davon blessiret sein.... Endlich ist der Herr Magister Forstmann am 3ten  Sonntage des Adventes, durch den Herrn Commis­sair Deuticon ohne Verhinderungen eingesetzt worden“ (Schmölesche Chronik, zitiert nach W.Schulte II, S.382). - Dieser Kirchenskandal ist in das aktuelle „Adreßbuch der Stadt Hemer 1988“ eingegangen, nämlich im einführenden Aufsatz von August Kracht: HEMER -  Geschichte und Gegenwart (S.13-20), wo wir (S.15) lesen: „Und wo hätten  solche rauhen Zeiten ebenso wie die nicht selten handgreiflich ausgetragenen  Glaubenskämpfe um die - in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts in Hemer  eingeführte - Reformation sich weniger nachhaltig niedergeschlagen als hier, wo  man sich 1717 in der Vituskirche bei der Antrittspredigt des Magisters Thomas  Forstmann gegenseitig das Gesangbuch um die Ohren schlug und es der Autorität seines als Verfasser philosophischer Kompendien bekannten Sohnes Johann Gangolf Wilhelm, nach dem Zeugnis des Philosophen  J.G.Hamann ,der gewaltigste Prediger nach Luther’, bedurfte, die Gemeinde zur Harmonie, sogar mit  pietistischem Einschlag, zurückzuführen.“

1718: „Anno 1718. Bei Michael hat der Herr Magister Forstmann unse  oberste Schule quittiret. Worauf die Herren des Magistrats wiederum einen berufen haben von Dortmunde mit Nahmen Herr Torck“ (Schmölesche Chronik,  zitiert nach: W.Schulte II, S.382).

1718 (H): In diesem Jahr ließ der neue Pastor Thomas Forstmann das Pfarrhaus bauen: „Das Pastoratshaus an der linken Seite der Geitbecke, welches 1718 unter Aufsicht des Pastors Thomas Forstmanns erbaut ward, ging in der großen Feuersbrunst am 3. April 1779 zugrunde“ (F.L.Woeste, in: Schl. 2/1970, S.10)

1720 (H):Thomas Forstmann, Pfarrer an der Vituskirche Hemer, „ließ ... 1720  drucken ,kurze Fragen und Antworten zu besserem Verstand des kleinen Catechismi Lutheri, nebst christlichen Morgen- und Abend­gebätlein’. Imgleichen, gewisse Kernsprüche nach dem Alphabet. Er machte auch den Anfang, die Sonntäglichen Evangelia durch Frag und Antwort, der lieben Einfalt zum besten, drucken zu lassen, sein Tod aber, der 1727,  den 30 April einfiel, hat das Werk unterbrochen“ (von Steinen, S.1133).

1727-1732 (H/Bg): Nach dem Tod des älteren Forstmann, „der 1727 den 30  April einfiel“, wurde seine „Stelle durch den Beruf seines Soh­nes Johann Gangolf Wilhelm wieder besetzet, als welcher von der Ge­meine gleich wieder ist  beruffen und den 16.Junius zu Hemern in der Kirche ordiniert worden“ (beide  Zitate: v.Steinen, S.1133). - Pfarrer Florens Gerhard Mollerus aus Deilinghofen hielt am 9.Mai 1727 übrigens die Leichenpredigt für die (unmittelbar nach ihrem Ehemann) verstorbene Ehefrau des Pastor Thomas Forstmann. Diese älteste gedruckte Deilinghofer Predigt (!) ist vorhanden in: Staatsarchiv und Wissenschaftliche Stadtbibliothek Soest, Sign.IV/922 (liegt uns als Kopie vor!). Johann Gangolf Wilhelm Forstmann war von 1727-1732 Pfarrer in der Hemeraner Vituskirche (zu Forstmann jun. siehe auch oben zu 1706). „Er nahm aber  bald darauf das ihm angetragene Pastorat zu Solingen im Bergischen Lande an, und hielt 1732 am 1.Sonntag des Advents seine Abschiedsrede“ (v.Steinen, S.1133).

1728 (H/Bg): Nach einer schweren Lebenskrise (Krankheit und Ge­lübde) deutliche Wende im Leben und in der Verkündigung und Amts­führung des Hemeraner Pfarrers Johann Gangolf Wilhelm Forstmann. Die Wende fand zwischen  Ostern und dem Dreieinigkeitsfest jenes Jahres statt (vgl. Schl. 1959, S.10 f.). Es begann, noch vor seiner vollkommenen Hinwendung zu Zinzendorf und  dem Glaubensverständnis der Brüdergemeine, die Zeit, die man Forstmanns  ‘pietistisch-gesetzliche Phase’ nennen kann (vgl. dazu unten in dieser Chronik  zu 1737 Forstmanns eigenen Rückblick auf die ‘Phasen’ seines Lebens). Seit 1728  jedenfalls wurde in Hemer Forst­manns Predigt als gewaltig empfunden.

1730 (H/Bg): Erste Anklage von der Synode gegen Pastor Johann Gangolf Wilhelm  Forstmann (Schunke, S.48): Anstößige Neuigkeiten hätte er in Hemer eingeführt.

1731 (H/Bg): Nach F.L.Woeste lernt man Johann Gangolf Wilhelm Forstmann  „und den damaligen Zustand der Gemeinde kennen aus einer äußerst selten gewordenen Predigt, die er in Hemer gehalten hat.... Er schrieb 1731 auf 5 Bogen:  Gedanken eines Christen bei einer umgeschmolzenen Glocke“ (Schl. 2/1970, S.14).

1732 (H/Bg): 1732 war das Erscheinungsjahr eines Werkes, das Johann Gangolf  Wilhelm Forstmann in seiner Hemeraner Amtszeit geschrieben hatte. Der genaue Titel lautet:

„Mein Heiland hilff! Das Lutherische Christenthum / Das ist:  Deutliche und lautere Erklärung / Des Kleinen Catechismi Lutheri, Wie selbige  in denen Catechismus-Lehren Bißher vorgetragen / Nunmehro aber dem Druck  übergeben Von Johann Gangolph Wilhelm Forstmann, Evangel. Luther. Past. zu  Hemmern. Soest / gedruckt bey Joh. Georg Hermanni. 1732.“. Forstmann mußte  sich die Klagen der Synode anhören, dass er das Buch ohne Genehmigung zum  Druck gegeben habe (vgl. z.B. Schunke, S.49).

1732 (H/Bg): Am  1.Advent 1732 hielt Johann Gangolf Wilhelm Forstmann in  der Hemeraner Vituskirche seine Abschiedspredigt und wechselte nach Solingen (s.o. zu 1727-1732). „Nach seinem Wegzuge entstund in der Gemeine wegen der Wahl eines neuen Predigers ein schwerer Streit, der ins dritte Jahr fortgesetzt wurde, endlich ist 1735 Johann Diederich Angelkate [Sic!Er heißt richtig Angelkorte] als Prediger erwählet, und den 27 März durch den zeitlichen Inspector  Glaser zu Hemern ordinirt worden. Und dieser ist es, welcher mir zu verschiedenen gegründeten Nachrichten von diesem Ort Handreichung gethan hat“ (v.Steinen, S.1133 f.).

1733 (Bg): Johann Gangolf Wilhelm Forstmann lernte von Solingen aus Gerhard Tersteegen kennen (Gerhard Tersteegen, Liederdichter und der bedeutendste Mystiker im deutschen reformierten Pietismus, geb. 1697 in Moers, gestorben 1769 in Mülheim; ‘Ich bete an die Macht der Liebe’). „Tersteegens  geheiligte Person habe ich seit dem Jahre 1733 gekannt“, teilte Forstmann brieflich dem Grafen Zinzendorf am 17. Juni 1737 mit (zitiert nach: Wotschke I., S.272). Viele andre ‘fromme Außenseiter’ am Rande des Pietismus, denen er sich annäherte und von denen er sich z.T. auch  wieder distanzierte, lernte Forstmann in seiner Solinger Zeit im Bergischen Land kennen.

1735 (H/Bg): Johann Diedrich Angelkorte (zu ihm vgl. oben zu: 1710 und 1732)  wurde Pfarrer an der Hemeraner Vituskirche; zu Angelkorte vgl. auch Schl.  4/1975, S.19ff.).

1737 (Bg/H): Am 16.Dezember 1737 offenbarte Forstmann in Solingen seine innere Entwicklung dem Grafen Zinzendorf in einem aufschlußreichen Brief, in dem es u.a. heißt: „Daher, wer es wissen will, daß Jesus ein Heiland ist, der sich der verfluchten Höllenbrände annimmt, nur auf mein Exempel sehen kann. Mein ganzes Leben bis in das 22.Jahr meines Alters heißt vor ihm lauter Blindheit, Missetat und Sünde. Vom 22. bis ins 30. hat er mich so gesucht und so an  meiner Errettung gearbeitet, daß ich es nicht aussprechen kann.. Anfangs nach meiner Aufweckung behalf ich mich mit lauter Überzeugungen. Hernach geriet ich in einen gesetzlichen Zustand, worin ich mich fast bis ins 1736. Jahr aufgehalten, daß ich nie recht gewußt, ob ich ein Kind Gottes oder ein Kind des  Satans gewesen... Nach der Erkenntnis, die ich hatte, habe ich jederzeit gepredigt, ...von der ersten Stunde an,... bis endlich am vergangenen dritten Pfingstfeiertage  (war mein 32.Geburtstag...) mein liebes- und erbarmungsvoller Heiland  mich in solcher Liebe heimsuchte und umfaßte, daß ich nicht wußte, wie ich  mich vor ihm beugen sollte, und mich seiner ewigen Gnade ... so fest versicherte, daß ich ... mein 32.Jahr mit seinem Blut besprengt und in seiner Gerechtigkeit eingekleidet antreten und in diesem Schmuck auf ewig leben solle“ (zitiert  nach: Wotschke I, S.269f.). - Im Klartext heißt das, dass Forstmann, was in vielen seiner autobiographischen Bemerkungen zur Sprache kommt, 1728, als er ein Jahr in Hemer war,  seine erste Wende hin zu einem ‘gesetzlichen Pietismus’ ansetzte und dass seine Beschäftigung mit dem Gedankengut der Herrnhuter ihn in einer weiteren ‘Bekehrung’ schließlich vollends Pfingsten 1737 zu einem Christen mit einer Glaubensgewißheit nach der Art der Brüdergemeine werden ließ.

1738 (Bg/H): „Der 31.Mai 1738 war für den frommen Solinger Pastor Forstmann ... ein Freudentag, brachte ihm die Erfüllung eines jahrelang gehegten Wunsches: der Graf Zinzendorf schenkte ihm die Ehre seines Besuches. Er konnte  den von Angesicht sehen, dem sein ganzes Herz gehörte, den er liebte, verehrte,  bewunderte wie keinen anderen... Am nächsten Tag begleitete er den Grafen,  den es weiterdrängte, noch einige Stunden zu Fuß, aber auch als dieser dann die  Post bestieg, mochte er sich nicht von ihm trennen; er schwang sich zu ihm in den Wagen, seine Gesellschaft weiter zu genießen, fuhr mit ihm nach Marienborn (bei Büdingen in der Wetterau) und blieb dort einige Tage“ (Wotschke I, S.257).

1740 (Bg/H): J.G.W.Forstmann pries am 28.Mai 1740 die Aktivitäten seines  Hemeraner Nachfolgers Angelkorte bei Zinzendorf brieflich an. In dem Zusammenhang schrieb er an den Grafen: „H.Pastor Angelkorte dringet immer darauf,  dass er gern einen Bruder zu Hemer haben wollte... An seinem Ort ist eine große  Tür aufgetan, und wenn ihm könnte ein Kandidat zugeschickt werden, der ein  Bruder wäre, derselbe würde ein groß Feld der Arbeit finden. Ich bin den vierten Sonntag nach Ostern dagewesen mit ein paar Brüdern, und der Heiland hat uns vielen Eingang finden lassen... Ich erinnere Ew. Hochgeb. schließlich an dero Versprechen, daß dieselben durch Solingen kommen wollen, wenn die Reise nach Holland geht“. (zitiert nach: Wotschke I, S.277f.).

1740: Der Hemeraner Pfarrer Angelkorte erzählte am 19. September  1740 dem Grafen Zinzendorf brieflich über seine Bekehrung im Sinn der Brüdergemeine durch Pastor Forstmann („1740 kurz nach dem Sonntage Kantate“) und  über die Sache der Brüdergemeine in Hemer. (Wotschke II, S. 58).

1741 u. 1742: Im Zuge der Ausbreitung der Herrnhuter Brüdergemeine kam Diaspora-Arbeiter Backe zu Pastor Angelkorte nach Hemer (vgl. Schunke,  S.25). Backe mußte auch in der Kirche predigen. Er hatte als  Nachfolger 1741: Hüffel, 1742: Forckel (vgl. Schunke, S.27).

1741: Aus der Sicht der Freunde der Brüdergemeine wirkte der Bruder  des Johann Gangolf Wilhelm Forstmann, der Kandidat der Theologie Peter Konrad Forstmann, auf schwärmerisch-unselige Weise in Hemer, wie aus einem  Brief aus Hemer vom 1. März 1741 hervorgeht: „H. Kandidat Forstmann hat hier  erweckten Leuten, die nur eine Beruhigung ihrer bösen Taten vorgeben, alle  Seligkeit zugesprochen. Er tut ungegründeten Seelen Schaden. Sein Bruder, der  Prediger, und andere wünschen, daß er nicht wiederkommen, sondern andernwärts versorgt werden möchte“ (zitiert nach: Wotschke I, S.240 A.10; der Brief ist komplett  abgedruckt bei: Schunke, S.25f.).

1741 (H/Bg): Johann Gangolf Wilhelm Forstmann selbst war es, der sich bei den höchsten Stellen der Brüdergemeine zum Bittsteller machte, damit sein Nachfolger in Hemer, Pfarrer Angelkorte, von der Gemeine eine „Eheschwester“ zugewiesen bekäme. In einem Brief Forstmanns vom 31.März 1741 an Polykarp Müller, den Bischof der Brüdergemeine, hieß es so: „Des Bruders Angelkorte Umstände erfordern, daß er heiratet. Mit seiner leiblichen Schwester, die eine Wittib ist  und ihn nun einige Jahre genug gequält hat und noch bis dato auf nichts anderes  bedacht ist, als ihn in seiner Arbeit an den Seelen zu hindern, kann ers unmöglich aushalten. Weg will sie auch nicht, bis er heiratet. Die meisten Seelen, so zu  Hemer aufgeweckt sind, sind Frauen und ledige Schwestern. Ich soll daher in  seinem Namen bitten, daß Sie seine Umstände der Gemeinde vorstellen und ihm  eine Schwester geben, die seine Gehilfin und Mitarbeiterin sei. Er ist von Jugend  auf eines stillen und sanften Wesens gewesen und nachher, da er in Halle studiert, ist er nach dasiger Methode immer mehr geändert und mein Nachfolger  dann geworden. In den ersten Jahren war er beliebt und hatte den Namen eines frommen Predigers und scheute sich gar sehr, sich mit mir einzulassen. Mit der Zeit verlobte er sich auf Anstiften seiner Verwandten mit einer Kaufmannstochter zu Iserlohn ohne Konsens und wider den Willen seiner Mutter. Und das war die Gelegenheit, wodurch er auf sein Herz kam. Die Person war eitel. Seine Mutter wollte es nicht zugeben; er kam darüber in Angst und Not. Die Heirat wurde zu seinem großen Glück hintertrieben, und er wurde ein armer Sünder, dem  alles wegfiel und der nun fragte: ‘Was soll ich tun?’ Von da an kam ich mit ihm in  Verbindung. Er sehnt sich nach nichts mehr als nach der Gnade des Bluts. Und  daß er nichts anderes in der Welt sucht, als dem Lamm zu leben, daß weiß ich  und darf es der teuren Gemeinde versichern“ (Wotschke I, S. 241, A.15).

1741: Gute Zustandsbeschreibung des im Herrnhuter Sinn erweckten  Kreises in Hemer durch Forstmann in einem Brief aus Solingen am 8.Mai 1741:  „Den 28.April bin ich mit meiner Frau auf Hemer gegangen, wo wir unsere Brüder Angelkorte und Backe besuchten. Den 30.April habe ich daselbst vom Heilande am Kreuz als der armen Sünder ihren Gott zu predigen Gnade gehabt.  Nach der Versammlung des Nachmittags haben wir am Abend das erste Liebesmahl dort gehalten, wo unser 15 gegenwärtig gewesen, und unser Lamm war  eines jeden Herzen nah. Zehn Seelen sind dort, darunter einige den Heiland als Versöhner kennen und ein Gefühl vom Blute haben, die anderen aber auf der Spur sind. Sie haben sich gemeinschaftlich verbunden, und der Heiland wird  sich daselbst ein Völkchen sammeln“ (Wotschke II. S.61 A.29). Vom genannten Backe werden dort, S.60 A.28 zwei Briefe zitiert. Es ist Diaspora-Arbeiter Georg Konrad Backe.)

1742: Johann Hüffel, der Diaspora-Arbeiter, schrieb am 17.Februar 1742  von Solingen aus über die Situation bei den Erweckten in Hemer und kam dabei  auf ein Gespräch mit der Schwester Stephan Diedrich Rentzings zu sprechen:  „Den 11. sprach ich Br. Rentzings Schwester, die fast ihre Lebenszeit fromm gewesen und das Instrument ist, wodurch B. Forstmann, Angelkorte und viele andere sind erweckt worden [!!!] und von jedermann als Muster der Heiligkeit ist gehalten worden. Nun bringt sie der Heiland auf ihr Herz, und sie fühlt sich voller  Sünden und Verderben, worüber sie mit Tränen klagte. Ich wies sie zum Heiland  ..., daß sie als eine verfluchte Sünderin in dem Blute des Lammes müßte Vergebung ihrer Sünden suchen. Danach gingen wir zur Kirche“ (Brief Joh. Hüffels an  N. N., zitiert nach: Wotschke II, S. 65; vgl. Schl. 4/1975, S.28). Am gleichen Nachmittag waren Hüffels Gesprächspartner Bruder Rentzing  und „Landpermann“, den Hüffel charakterisierte als „ein liebes einfältiges Kind,  dem es gewiß ganz um den Heiland zu tun ist“ (Wotschke II, S. 64 f.); lies aber: Landfermann. Es könnte sich um den Hemeraner Küster und Schullehrer Johann  Landfermann (vgl. zu ihm F.L.Woeste in: Schl. 1/1971, S.2) handeln, zumal  Hüffel (nach Wotschke II, S.65) einen „Schulmeister Welker“ nennt. Das heißt  wahrscheinlich richtig gelesen: „Schulmeister, welcher...“ und bezieht sich eben auf den Lehrer Landfermann (womit auch G.Gudelius’ Rätseln in Schlüssel 4/1975, S.28 behoben wäre). Übrigens war es Pfarrer Wilhelm Kaiser, Sundwig, der im Verein mit Dr.Georg Gudelius als erster die Bedeutung dieser Schwester Rentzings für die Hemeraner  Erweckungsbewegung und zugleich die lange von der Brüdergemeine geprägte Tradition des ‘Heppingschen Kottens’ in Sundwig beschrieb: „Um 1742 war  durch die Wirksamkeit eines ,Bruder Hüffel’, der bei Pastor Angelkorte zu Besuch weilte, eine kleine Erweckung in Hemer entstanden. Zu den Erweckten gehörte auch eine Friederike Renzing zu Sundwig, eine Urahne mütterlicherseits der Familie Alberts-Mühle, die, wie man sich ausdrückte, aus einer guten  lutherischen Christin eine arme Sünderin geworden war. Durch ihren Einfluß  kam später eine regelmäßige Verbindung mit der Brüdergemeine zustande. Alljährlich besuchte ein Diaspora-Arbeiter der Brüdergemeine von Neuwied die hiesigen Gemeinden und Freunde der Herrnhuter Mission. Er wohnte jedesmal  in der Mühle, wo sich dann auch ein fester Kreis um ihn sammelte. Diese ,Versammlung', die immer zu Pfingsten stattfand, wurde eine Tradition, die länger  als 200 Jahre fortdauerte. Sie wird heute noch insofern aufrechterhalten, als einer der Pfingstgottesdienste in Hemer regelmäßig durch einen Herrnhuter Missionar gehalten wird. Pastor Angelkorte führte bei uns das Gesangbuch der Brüdergemeine ein und teilte  die Gemeinde in Herrnhuter ,Chöre’ ein: Eheleute, ledige Männer und Frauen, Jünglinge und Jungfrauen. So wurde der Grund gelegt zu der engen Verbindung,  in der unsere Gemeinde noch heute mit der Brüdergemeine steht.“

(Georg Gudelius, Von unseren Pfarrern in früheren Jahrhunderten, in: Festschrift anläßlich der  Einweihung der Christuskirche zu Hemer-Sundwig am Sonntag Exaudi dem 10.Mai 1964, S.25ff., Zitat: S.26. Telefonisch erfuhren wir von Dr.Gudelius aus Gießen, dass diese schöne ‘Mühlenpassage’ samt der Erwähnung dieser wahrhaft denkwürdigen ‘Ahnfrau der Erweckungsbewegung’ Friederike Ren(t)zing von Pastor Kaiser vor Drucklegung der Festschrift in den Gudelius-Aufsatz eingefügt wurde.)

1743: Am 19.Januar 1743 erhielt Forstmann in Solingen Besuch aus  Hemer von Pfarrer Angelkorte und Stephan Diedrich Rentzing, wobei auch ein  kleines Liebesmahl gefeiert wurde; am 20.Januar 1743 predigte Angelkorte in  Solingen; Rückkehr am 22.Januar (vgl. Schunke, S.31).

1743: Ab 3.März 1743 kam von Solingen aus Johann Gangolf Wilhelm Forstmann ins Märkische, um erst zu Angelkorte in Hemer, dann „in Laufenhagen [lies: Bausenhagen] zum Pastor Westhof und weiter auf Hemmerde ... zum  Pastor Dümpelmann“ zu gehen (Wotschke II, S.62 A.31; es handelt sich um einen Brief Forstmanns,  den er am 8.April 1743 nach Amsterdam an Isaak le Long schickte, der noch im  gleichen Jahr Angelkortes Schwiegervater werden sollte). Hier sah Forstmann wohl zum ersten Mal den kleinen Gottfried Wilhelm Andreas Dümpelmann, den späteren Deilinghofer Pfarrer, nachdem er zuvor dessen  Taufpaten Pastor Westhoff in Bausenhagen besucht hatte...

1743: Vom Juli bis zum Oktober 1743 war der Hemeraner Pfarrer Angelkorte in Holland (vgl. Schunke, S.31). Die holländischen Kontakte waren allesamt von der Verbindung zur Brüdergemeine geprägt, die dort in  Zeist ihre zentrale Kolonie unterhielt. Die langerbetene ‘Eheschwester’, die jüngste Tochter des einflußreichen Herrnhuter Isaak le Long, heiratete Angelkorte am 6.September 1743 in Heerendijk, wo er vier Wochen verbrachte und Gemeindeglied der Heerendijker wurde (vgl. Angelkortes Brief an den Bischof der Brüdergemeine Johann Nitschmann in: Wotschke II, S.69-72).

1743 (H/Bg): Angelkorte erhielt auf der am 30. und 31.Juli 1743 tagenden Märkischen Synode in Herdecke in Abwesenheit die erste Ermahnung wegen Verletzung der Kirchenordnung durch seine Amtsführung; es wurde angezeigt, dass „H. P. Angelkorte zu Hemern den Classical Conventen nicht beywohne, auch seine Gemeine  etliche Wochen verlasse, ohne es dem H. Subdelegato anzuzeigen“ (zitiert nach: Göbell I, S.266; vgl. auch Schunke, S.55).  

1744: Pfarrer Angelkorte war mit seiner Frau in Marienborn (bei Büdingen in Hessen), einem zentralen Ort der Brüdergemeine, wo die Frau am 3. Dezember 1744 starb (Schunke, S.31). Am Tag vor Heiligabend  1744 schrieb Angelkorte aus Hemer an Zinzendorf: „Ich bin am 18. Dez. mit meinem lieben Br. Horn wieder glücklich hier angelangt. Die unerwartete Nachricht  von dem Heimgange meiner Eheschwester zum Lamme hat hier bei jedermann, besonders aber unter den Erweckten große Bestürzung verursacht. Es  scheint, daß sie noch kräftiger nach ihrem Tode prediget als bei ihrem Leben. ... Es ist des Lamentierens fast kein Ende“ (Wotschke II, S.71f., A.43; vgl. auch Schl. 4/1975, S.30).  

1744 „Eine Predigt: ,Der leichteste und kürzeste Weg zur Gnade', welche er [sc.  J.G.W. Forstmann] 1744 herausgab, schickte der Graf von Zinzendorf  dem Prediger Fabricius zu Daubitz in der Ober-Lausitz zur Widerlegung einer  Predigt desselben, in welcher dieser vor der Schwärmerei der Hernhuter [sic!]  gewarnt hatte“ (Bädeker/ Heppe, S.45).

1744: Am 23.März 1744 unterschrieb Forstmann das Vorwort seines streng lutherisch-orthodox gehaltenen Katechismus, nachdem er ja 1732 als Frucht seiner Hemeraner Amtszeit schon einen Katechismus herausgegeben  hatte (s.o. zu 1732). Das Werk von 1744 hat folgenden barocken Titel:

„Göttliche Wahrheiten Der heiligen Evangelischlutherischen Religion In Fragen und Antworten Abgefasset  Und zum Gebrauche Der Kinder seiner Gemeinde Mit einer Vorrede Sr. Hochwürden / Herrns D. Joh. Daniel Klugens Hochfürstlichen Sachsenquerfurtischen Kirchenraths, der Gottesgelehrtheit Professoris und Gymnasiarchens In Dortmund Dem Drucke überlassen Von Joh. Gangolf Wilhelm Forstmann Evangelischlutherischen Past. der Stadt Sohlingen im Herzogthume Berg. Dortmund, verlegts und druckts Gottschalk Diederich Bädecker. 1744“. Interessant für Forstmanns Situation 1744 sind seine Bemerkungen im Vorwort: „Nachdem ich bereits 1735. am 31. Augustmonats ... die symbolischen Bücher unseres Lutherischen Israels eigenhändig unterschrieben, so bekenne  ich mich nochmals von ganzem Herze / vor dem Angesichte Gottes und seiner  Kirche / wie zu dem geschriebenen Worte des Herrns / also zu allen symbolischen Büchern unserer Lutherischen Gemeine / der unveränderten Augspurgischen Konfession und derselben Apologie, den Schmalkaldischen Artikeln, dem  kleinen und grossen Katechismus D. Luthers und besonders zu der schönen  FORMVLA CONCORDIAE ...“ (Vorwort, S. XXVII f.). „Und weil ich derselbe  nicht mehr bin, der ich ehedessen war / als ich zu Hemmern in der Grafschaft  Mark das Lehramt führete und den Katechismus unter dem Titel: das Lutherische Christenthum im Jahr 1732. im Drucke heraus gab / so bezeuge ich hiemit  öffentlich / daß ich alles dasienige, was orthodoxe Lehrer unserer Kirche daran  mit Recht auszusetzen gefunden / selbst verwerfe“ (Vorwort, S. XXVIII f.).  Doch ist - diesem dezidiert lutherischen Bekenntnis zum Trotz - Forstmann in  seinem Katechismus von 1744 von vorn bis hinten ‘Blut- und Wunden-Theologe’ im Zinzendorfschen Sinn, was er schon im letzten Satz des Vorworts so erkennen läßt: „Und damit/ emphele ich Sie / wertheste Leser,/ Dem Herrn, dem blutgen Lamme,/ Das sich für unsre Noth/ Am rauhen Kreuzesstamme/ Geblutet hat zu Tod“ (Vorwort, S. XXVIIII). Von dem genannten Werk Forstmanns „Göttliche Wahrheiten“ ist auf der Titelseite von: Schl. 1/1959 die Titelseite einer späteren Auflage abgedruckt: „Leipzig und Görlitz, Verlegts Siegmund Ehrenfried Richter, 1745.“.  

1744: Zu einem für J.G.W.Forstmann folgenschweren Zerwürfnis mit  seinem über alles geliebten geistlichen Vater, dem Grafen Zinzendorf, kam es im  Sommer 1744. Anlaß war Zinzendorfs briefliche Kritik, Forstmann habe bei einem Besuch bei den Brüdern in Amsterdam seine geistlichen Kompetenzen  überschritten und unerlaubt dort Gottesdienste gehalten. Forstmann brach daraufhin den brieflichen Kontakt mit Zinzendorf ab. (Die Briefe, die diesen Bruch  dokumentieren, sind abgedruckt bei Wotschke I, S.257ff.; dort  findet sich - S.282-284 - Forstmanns Brief an den Grafen vom 24.August 1744; ferner S.284: Zinzendorfs Brief an Forstmann vom 21.Juli 1744 und S.284f.: Zinzendorfs Brief an Forstmann vom 31.August 1744).  Wie beleidigt Forstmann war, erkennt man vielleicht daran, dass er 1751/52 bei einer anderthalbjährigen Kollektenreise nach Sachsen und Schlesien auf der  Hinreise einen auffälligen Bogen um Herrnhut machte, sich dann aber einen Ruck gab und Herrnhut doch besuchte. Unter dem Eindruck dieser Ereignisse schrieb Forstmann am 21.August 1752 von Dresden aus an den führenden Herrnhuter Johann Nitschmann d.J. mit Blick auf die Brüdergemeine: „...ich wünsche allen Euren Anklägern  und Lästerern, daß es ihnen so gehen möchte, wie es mir ergangen ist. Ich armer  Wurm habe mich seit 1744, da der liebe Papa [sc. Zinzendorf] ... mir die Wahrheit in etwas harten Ausdrücken geschrieben, die mein stolzer und hochmütiger  Kopf nicht ertragen konnte, zu meinem unersetzlichen Schaden von der Gemeinde, unter der ich tausend Seligkeit genossen, getrennt und losgemacht.  Der Heiland hat mich zwar aus Gnaden bewahrt, daß ich mich zu der Partei Eurer öffentlichen Feinde und Verfolger niemals geschlagen, allein ich habe es doch nicht  mehr mit der Gemeinde gehalten, sondern bin meine eigenen Wege gegangen. Ich habe auch oft in Gesellschaften bei Gelegenheit es mit über die Brüder laufen lassen und bezeugt, daß ich keine Gemeinschaft mehr mit ihnen hätte. Und nun  habe ich die Gemeine gesehen und bin mit so vieler Liebe letzthin von ihr aufgenommen worden... Vergib mir, liebes Volk Gottes, und ist’s möglich, so nimm  einen Dir entlaufenen, verlorenen Sohn, der vom Teufel ganz verblendet, seine Güter hat verschwendet, wieder in Deine Gemeinschaft nicht als ein Kind, denn  das ist zu viel vor mich, sondern als einen Deiner Tagelöhner und Knecht auf! ... Wenn Du dem Papa schreibst, so bitte ihn auch in meinem Namen, daß er mir alles vergibt... Ach, möchte ich die Gnade haben, noch einmal in der Welt sein  Angesicht zu sehen!“ (zitiert nach: Wotschke I, S.258).

1745: Seit April 1745 war in Hemer eine besondere Erweckungszeit. Der  Diaspora-Arbeiter Georg Andreas Horn meldete am 28.April 1745: „Es ist hier in  Hemer eine ganz besondere Regung unter den Seelen. Unsere Zahl hat sich in  kurzem sehr vermehrt. Es kommen bald jede Woche neue Seelen, die von der  Gnade angefaßt. Bei meiner Ankunft sind in allem 32 gewesen, und sind seit  der Zeit dazu gekommen hier 16 und in Iserlohn 10, Hemer und Iserlohn zusammen 58 Seelen“ (Wotschke I, S.242 A.21). Der Trend hielt im Jahre 1745 weiter an: An die Brüdergemeine in Marienborn  schrieb der Hemeraner Pfarrer Johann Diedrich Angelkorte in einem Brief vom 6.September 1745: „Der edle Gnadenwind, der seit dem April in Hemer geweht hat, weht noch immer fort. Es werden noch täglich Seelen erweckt, so daß die Anzahl der erweckten Seelen jetzo schon 120 Personen ausmacht... Kurz, es ist hier eine solche Gnadenzeit, dergleichen nie gewesen“ (zitiert nach: Wotschke II, S.77).

1747: Pastor Angelkortes zweite Verheiratung, wieder mit einer  ,Eheschwester’, die ihm von der Brüdergemeine zugeteilt wurde, fand 1747 statt:  „Am 1.Mai 1747 kann er ... die Ehe mit Famia Brümel aus Quda-Brock in Geldern ... eingehen, aus der zwei Söhne hervorgegangen sind. Diese Frau hat ihn dann auch überlebt“ (Schunke, S.30). Im Kirchenbuch der Gemeinde Hemer lesen wir den richtigen Herkunftsort  der Braut; die Abkündigung der Verehelichung wurde da so schriftlich niedergelegt: „23.April bin ich allhier zu Hemer prima vice proclamirt wie folget: Johannes Theodorus [NB!] Angelkorte, Evang. luth. Pastor bey hiesiger Gemeine, und Jungfer Famia Brümel weyland Herrn Goswin Brümel von Ouda [!] Brock in  der Provinz Gelderland, nachgelassene eheleibliche Tochter...“.  

1747: Auf der im Sommer 1747 tagenden Märkischen Synode wurde die  Ermahnung ausgesprochen, „darauf zu sehen, daß keine irrigen Lehren, besonders Herrnhutianismus qua Herrenhutianismus einreißen mögen“. „Durch diesen Beschluß fühlen sich die drei Prediger Dümpelmann in Hemmerde, Westhoff in Bausenhagen und Angelkorte in Hemer angegriffen. Daher protestieren sie sofort dagegen. Sie wären der evangelisch-lutherischen Religion von ganzem Herzen zugetan und um das Heil ihrer Gemeindeglieder besorgt. Die mährischen Brüder hegten nach ihrer Meinung keine irrigen Lehren, bemühten sich vielmehr, die Hauptlehre der evangelischen Religion, nämlich die Versöhnung und die daraus folgende Rechtfertigung der armen Sünder, in die Herzen der Menschen zu bringen und dadurch lebendiges Christentum zu befördern. ... Die drei Geistlichen beantragten..., daß ihre Rechtgläubigkeit untersucht werde. Der Inspektor verspricht darauf, seinerseits einen Auszug aus Herrnhutischen Schriften machen zu lassen und diesen Auszug der Synode zur Begutachtung vorzulegen“ (Schunke, S.54). Wichtig anzumerken ist hier in unserem Zusammenhang, daß neben Johann Gangolf Wilhelm Forstmann die drei hier genannten Pfarrer in der Mark waren: neben Angelkorte sein ihm eng verbundener Freund und Amtsbruder Johann Caspar Dümpelmann (der Vater des späteren Deilinghofer Pastors Gottfried Dümpelmann) und dessen Bausenhagener Nachbar-Amtsbruder  Johann Gottfried Westhoff, von dem sein Patenkind Gottfried Wilhelm Andreas Dümpelmann den Vornamen erhalten hatte (vgl. oben zu 1741: Taufe von Dümpelmann junior).

1748: Im September/Oktober 1748 war Pfarrer Angelkorte in Herrnhaag, dem zentralen Ort der Brüdergemeine. Er schrieb davon in einem Brief  vom 25.November 1748 an den Grafen Zinzendorf, der sich in Zeist in Holland  aufhielt, wobei in überaus charakteristischer Weise sowohl das Herrnhutertum  in Herrnhaag in der ‘Sichtungszeit’ zum Ausdruck kam als auch die für Angelkorte kirchenpolitisch brisante Situation in der heimischen Synode: Ich „habe nicht unterlassen können, mich durch diese Zeilen aufs neue ins Andenken zu  bringen und zugleich zu berichten, daß ich mit meiner lieben Eheschwester und  kleinem Söhnlein noch vergnügt und selig bin. Wir sind den 4. Oktober von der  lieben Gemeine in Herrnhaag zurückgekommen, nachdem wir uns drei Wochen daselbst aufgehalten. Wir hatten die Gnade, mit dem Volk des Heilandes zum h.Abendmahl zu gehen, welches uns zum Segen war. Überhaupt hatten wir daselbst selige Tage, und das Verliebtsein ins Seitenhöhlchen, wovon man allda immer redet und singet, ist uns sehr gemütlich. Ich weiß wohl, daß ich des Heilandes bin und ihn auch lieb habe. Aber sterblich verliebt zu sein ins teure Seitelein, das finde ich noch nicht bei mir. Aber mein Herz sehnet sich doch danach,  also zu werden. Gedenken Sie meiner treulich vor dem Lämmlein, daß auch ich  möge ein recht lustiges und seliges Kreuzluftvögelein werden! Unsere Ehe führen wir im Segen, und das Lämmlein lässet uns viele Gnade darin widerfahren. Von unserem Ministerium sind die meisten Feinde des Heilandes. Es gibt aber  auch darunter viele Nikodemi [sc. geheime Sympathisanten, vgl. Joh. 3,1ff.]. Im vorjährigen Synodo wurde beschlossen, zu vigilieren, daß Herrnhutianismus nicht einreiße. Ich, H.Pastor Dümpelmann und Westhoff protestierten  mündlich, und ich schriftlich dagegen. Allein es blieb bei dem Schluß. In dem diesjährigen Synodo hatte man sich vorgenommen,gewisse Thesen aufzusetzen,  welche alle membra [d. h. Glieder] unterschreiben sollten. Ihr Inhalt sollte sein, den Herrnhutianismus vor irrig zu erklären. Ich vermutete nun nichts anderes, als daß ich, wenn ich die Unterschrift würde verweigert haben, ab officio würde removiert werden. Allein wider alles Vermuten geschah es, daß viele Nikodemi im Synodo gegenwärtig waren, und der Feinde waren zu wenig, welche sich  nicht getrauten, es zustande zu bringen... So habe ich also vermutlich noch ein Jahr bis zum folgenden Synodo Frieden“ (Wotschke II, S.84 f.).

1749: Die Märkische Synode, die 1747 eingeschärft hatte, man sollte darauf „sehen, daß der Herrnhutianismus ... nicht einreiße“, “machte 1749 dem  Pastor Angelkorte die Auflage, eidlich zu versichern, daß er die Herrnhutischen  und Mährischen Brüder, die er bisher fast immer bei sich gehabt, und die Herrnhutischen Schriften, insbesondere das Gesangbuch, wegschaffe; auch die Konventikel meide, und die Reisen nach den Brüdergemeinden einstelle. Andernfalls  würde man ihn sonst nicht mehr als lutherischen Prediger anerkennen“ (Göbell III, S.816; zum Ganzen vgl. auch Göbell I, S.297f. sowie Schunke, S.55ff.).

1750: Auf der Märkischen Synode wurde am 15.Juni 1750 der Fall Angelkorte behandelt. Nachdem der Angeklagte am 1.Juni 1750 eine schriftliche  Erklärung abgegeben hatte, in der er sich partiell von der Brüdergemeine distanziert hatte, widerrief er knapp zwei Wochen später zur Synode von 1750 schriftlich diese Erklärung - mit dem Ergebnis, „daß mehrgedachter Past. Angelkorte ... für keinen Evang.-Lutherischen Prädiger weiter erkannt werden könne“,  wobei die schließliche Entscheidung beim preußischen König läge und zuvor die  theologische Fakultät Halle in einem Gutachten das Urteil noch einmal zu prüfen hätte (Zitat Göbell I, S.303; der ganze Vorgang dort S.302f.; vgl. auch Schunke, S.56f. sowie Schl. 4/1975, S.33f.).

1751/52 (Bg): Kollektenreise J.G.W.Forstmanns nach Sachsen und Schlesien, auf der er nach Zögern noch einmal Herrnhut besuchte (s.o.  zu 1744).

1751: Die am 20.Juli 1751 in Hagen tagende Märkische Synode nahm das  Gutachten der theologischen Fakultät in Halle „den Pastor Angelkorte und den  ihm imputirten Herrnhutianismus betreffend“ zur Kenntnis und war mit Angelkortes zu dieser Synode gegebener „Erklärung zufrieden, verlangt aber noch, daß Er sich über einige ihm vorzulegende Fragen ferner schriftlich erklähren, und dabey künftig Classen und Synoden kirchenordnungsmäßig besuchen solle“ (zitiert aus § 2 des Synodalprotokolls nach: Göbell I, S.307).

1751 (H/Bg): 1751, am „17.Sept. starb unser treu gewesener Pastor, Herr Johann  Diedrich Angelkorte, gebürtig aus Iserlohn, aetatis 41 Jahr 4 1/2 Monat, Minist. 16  Jahr und 6 Monat, Conjugii primi 1 1/4 Jahr, Conjug. 2, 5 Jahre, relictis 2 liberis. Er  wurde am 20sten Sept. begraben“ (Eintragung im Kirchenbuch der evangelischen Gemeinde Hemer). Bei der Beerdigung hielt der Hemmerder Pfarrer Dümpelmann (der Vater des Deilinghofers Gottfried Wilhelm Andreas Dümpelmann) die Predigt, die auch gedruckt vorlag: „Die Gewißheit unserer Seligkeit, als die beste Freudigkeit im  Sterben wurde den 20. Septemb. 1751 bei ansehnlich und volkreichen Leichenbegängnis Tit. Herrn Johann Diederich Angelkorts berufsfleißigen Pastoris der  evangelisch lutherischen Gemeine zu Hemer bei Iserlohn daselbsts in einer Gedächtnisrede aus 1.Tim. 1,15 vorgestellet und so wie dieselbe aus dem Herzen  gehalten nebst dessen Lebenslauf auf vielfältiges Verlangen und mit Genehmigung des Tit. jetzigen Inspectoris von Steinen dem Druck übergeben von Johann Caspar Dümpelmann, Evangelischen lutherischen Pastor in Hemmerde, Amt Unna. Dortmund, gedruckt bei Lüdekern.“ (Titelangabe nach dem Literaturverzeichnis in: Schunke).  Am 22.Mai 1752 bekam Graf Zinzendorf diese Leichenpredigt Dümpelmanns  sogar nach London geschickt (Brief Lamparters an Zinzendorf; zitiert bei: Wotschke II, S.85f., A.55; auf S.86 lesen wir, daß der Graf dort erfuhr: „Pastor Dümpelmann, der die Leichenpredigt gehalten, war des sel. Br. Angelkorte vertrautester Freund. Er ist ein rechter lutherischer  Pastor“).

1757: Johann Gangolf Wilhelm Forstmanns „Sonn- und Festtagspredigten“  von 1757 wurden gedruckt unter dem Obertitel: „Die durch das Evangelium von  Christo offenbarte Gerechtigkeit, die vor Gott gilt“ (Titelseite abgedruckt in:  Schl. 1/1959, S.15).

1759-1761: Am 2.Mai 1759 - einen Tag vor Forstmanns Tod! - schrieb  sich der spätere Deilinghofer Pfarrer Gottfried Wilhelm Andreas Dümpelmann , der Cheftheologe dier hiesigen Zinzendorfiander in der Zeit nach Forstmann und Zinzendorf, in Halle zur Fortsetzung seines Theologiestudiums ein. In Halle studierte er zwei  Semester (Bauks, S.107 Nr.1371). Die Zusatzinformationen, dass Dümpelmann nach der Duisburger Zeit und vor der Zeit in Halle in Berlin studierte und dass in Halle kein Geringerer als der berühmte Johann Salomo Semler (1725-1791) sein Lehrer war, lesen wir bei Schunke, S. 99f., wobei Schunke (vgl. S.162) als Informationsquellen aus dem Kirchenarchiv Deilinghofen nennt: 1. das dort  zu findende Gutachten der „Acad. Berolinensis vom Jahr 1759“ über den Studenten Dümpelmann, und 2. von Semler geschrieben (!) - ein Gutachten aus Halle (von dem Schunke, S.162, den lateinischen Text abschreibt), das unterschrieben ist mit: „Dab. Hala ad 26ten April 1761/ Joh. Salomo Semler / ordin Theol: ha T.A. Decan.“. Beide Dümpelmann-Zeugnisse waren uns trotz langen Suchens in unserem  Archiv nicht auffindbar.

1759): Am 3. Mai 1759 war der Todestag von Johann Gangolf Wilhelm  Forstmann (vgl. Bauks, S.136  Nr.1746, ferner die weitere oben zu 1706 reichlich angegebene Literatur zu Forstmann).

1759: Der große Philosoph und ‘Magus im Norden’, Johann Georg  Hamann (geboren 1733 in Königsberg, gestorben 1788 in Münster), äußerte in  einem Brief aus Königsberg an Johann Gotthelf Lindner vom 20. Juli 1759 über  Forstmann Folgendes: „Forstmann soll diesen May gestorben seyn. Seine erfreul. Nachrichten für die Sünder sind nicht mehr, werden aber wieder verschrieben; alsdenn sollen Sie selbige haben. Ich kenne keinen größeren Redner unter den Neueren. Kein Wunder, was sind die Angelegenheiten eines Demosthenes und Cicero gegen das  Amt eines Evangelisten, eines Engels, der nichts weniger und nichts mehr  seinen Zuhörern zu sagen hat und weiß, als: Laßet euch versöhnen mit Gott und  sei mit der Liebe, mit der Gewalt, mit der Niedrigkeit dazu ermahnet, als wenn  er Christus selbst wäre?“ (Johann Georg Hamann, Briefwechsel. 1. Band 1751- 1759, hg. von Walther Ziesemer und Arthur Henkel, Wiesbaden 1955, S.368, Z.26-33; vgl. Hamann's Schriften. Herausgegeben von Friedrich Roth, Erster Theil, Berlin 1821, S.416). Im Jahr zuvor hatte Hamann an den gleichen Adressaten nach Riga geschrieben  (am 22. Juni 1759): „Forstmanns Schriften werden mir sehr schätzbar seyn, den  ich jetzt aus seinen erfreul. Nachrichten für die Sünder kennen lerne, und der  Name eines Herrenhuters, mit dem man ihn gebrandmarkt, soll mich nicht irre  machen die Wahrheit dieses Mannes und seine rührende Schreibart zu  schmecken“ (Johann Georg Hamann, Briefwechsel. 1. Band, S.348, Z.18-22; [die  Verifizierung der Zitate in der neuen Ausgabe des Hamann-Briefwechsels  verdanken wir dem Hamann-Kenner Prof. Dr. Oswald Bayer, Tübingen] vgl.  Hamann's Schriften. Erster Theil, S.399; zu beiden Hamann-Zitaten vgl.:  Schlüssel, 1/1959, S. 5). Bauks gibt das erste Zitat frei wieder in einer Version, die des öfteren zu lesen ist: „Nach Johann Georg Hamanns Ausspruch hat nach Luther keiner  gewaltiger gepredigt als Forstmann“ (Bauks, S.136  Nr.1746).
 



An diesen Text hängen wir einen eigenen Text zur Sundwiger Mühle an:

Das erste Deilinghofer Gemeindehaus 1762: Die "Herrnhuter Erweckten" in Sundwig und der Bau eines Betsaals auf Deilinghofer Kirchenbesitz
(Der folgende Text liegt auch gedruckt vor in dem im Jahr 2000 herausgekommenen Sondergemeindebrief zum 25jährigen Jubiläum des Martin-Luther-Hausen Deilinghofen)
Dass es überhaupt in einer Kirchengemeinde Gruppen und Kreise gibt, war nicht von allem Anfang an so. Und entsprechend war es nicht immer so, dass man Gemeindehäuser brauchte. Erst die nachreformatorische Erneuerungsbewegung des Pietismus (ab 1675, Spener, Francke, Zinzendorf) hat für die Ev. Kirche dieses Anliegen wichtig gemacht. Da war es vor allen Dingen der Pietist und Liederdichter Nikolaus Ludwig Graf von Zinzendorf (1700 bis 1760), der die Gemeindeformen "revolutionierte" und seine Gemeinde in "Chöre" einteilte: also in Gruppen und Kreise (Chor der unverheirateten Männer, der unverheirateten Frauen, der "Jünglinge" und "Jungfrauen" usw.). Zusätzlich zu dieser Grobaufteilung gab es die zweite Einteilung, dass jeweils sieben Leute eine "Bande" bildeten, heute würde man sagen eine (im guten Sinn verstandene) "Clique", ein "Klübchen", dessen Mitglieder füreinander als Christen verantwortlich waren und sich gegenseitig seelsorgerlich beizustehen hatten: "Herz und Herz vereint zusammen": "Und wenn eurer Liebeskette Festigkeit und Stärke fehlt, o so flehet um die Wette, bis sie Jesus wieder stählt" (Zinzendorf im Lied Nr. 251, Str. 1 und 2 im neuen Ev. Gesangbuch).
Auch eine Frucht des Pietismus war es - in der gleichen angedeuteten Linie, dass im vorigen Jahrhundert "Vereine" entstanden (CVJM, Ev. Frauenhilfe, Blaukreuzvereine usw.), die dann in Vereinshäusern, die mit der Kirche verbunden waren, zusammenkamen.
Diese Entwicklung im Gebiet Deilinghofen/Hemer/Iserlohn ist ohne die Tätigkeit des "Häufleins" (wie man sagte) der im Herrnhuter Sinn "Erweckten" nicht zu denken, die sich in Sundwig auf der Hof der Alberts’schen Mühle trafen. Grundlegendes dazu haben wir im Jahr 1994 in "Blätter zur Deilinghofer Kirchengeschichte", Heft 3, veröffentlicht (im Folgenden BDKG 3, vgl. dort v.a. die einschlägigen Stellen nach dem Orts- und Namensregister, S. 263 ff. zu den Stichworten Sundwig, Alberts, Dümpelmann, Rentzing und Strauß, besonders aber auch den Exkurs zu den ‚Erweckten in Sundwig‘ S. 85 - 89 und zur Rolle des herrnhutisch geprägten Deilinghofer Pfarrers Gottfried Dümpelmann und seines Schülers Pfarrer Johann Abraham Strauß von der Iserlohner Bauernkirche S. 83 - 131 und S. 250 - 252). Zusammenfassend kann man sagen, dass Pfarrer Gottfried Dümpelmann, der Erbauer des Alten Pastorats (Deilinghofer Amtszeit 1765 bis zu seinem Tod 1791) zusammen mit seinem Amtsbruder und Gesinnungsgenossen Johann Abraham Strauß (Pfarrer an der Iserlohner Bauernkirche von 1782 bis zu seinem Tod 1836) ein "Tandem" bildete: Hand in Hand wirkten sie hier als zwei wichtige Pastoren, deren Herzensanliegen die Erweckung der Gemeinden war; dabei waren beide leidenschaftliche Anhänger des von Zinzendorf ausgehenden Pietismus und unterstützten hier im Kirchenkreis die Aktivitäten der Herrnhuter ‚Erweckten‘, die ihre ‚Zentralstelle‘ auf "Heppings Kotten" hatten. Dies war der Hof, auf dem die Besitzer später Rentzing und danach Alberts hießen, also die spätere (1816 in Betrieb genommene) Sundwiger Mühle. Dabei handelte es sich bei Heppings Kotten ursprünglich um Deilinghofer Kirchenbesitz auf Sundwiger Boden: eine Deilinghofer "Außenstelle auf fremden Gebiet", könnte man sagen (Näheres im Internet auf der großen Deilinghofen-Chronik-Seite von 1500 bis 1765, bitte auf dieser Riesenseite die Suchfunktion benutzen). Und während die für Sundwig und Hemer zuständigen Pfarrer aus der Ebbergkirche oft kritisch gegen die herrnhutisch geprägten Pietisten waren, waren diese die "Lieblingskinder" der Pastoren Dümpelmann und Strauß. Der Hof, auf dem dann die Sundwiger Mühle stand, war in einer langen Zeit von fast zweihundert Jahren, von der Zeit an, in der Zinzendorf noch lebte, bis nach dem zweiten Weltkrieg, ein von diesem pietistischen Erbe sehr geprägter Versammlungsort.
Ein Laie war in der ersten Zeit auf dem Rentzing‘schen Anwesen in Sundwig eine in der Geschichte der Herrnhuter Bewegung bedeutende und maßgebliche Gestalt, nämlich Stephan Dietrich Rentzing (1704 bis 1792), ein Urahn des heutigen dortigen Müllers Peter Alberts. Es liegen im großen Herrnhuter Archiv viele Dokumente aus jener Zeit vor, die das kirchliche Leben hier und den von Herrnhut ausgehenden Einfluss in Deilinghofen, Sundwig, Hemer und Iserlohn beschreiben.
Genau dieser Stephan Dietrich Rentzing - so sagen die Herrnhuter Akten (die Belege findet man in BDKG 3, S. 51 f. im Internet zu finden auch auf der Deilinghofen-Chronik-Seite von 1500 bis 1765 - wieder Suchfunktion) - sorgte dafür, dass sage und schreibe schon anno 1762 dort als Anbau ein spezieller Betsaal und Versammlungsraum gebaut wurde, das überhaupt erste "Gemeindehaus" hier in der Gegend! Ein Deilinghofer Gemeindehaus auf Sundwiger Boden, kann man sagen. Das erste Gemeindehaus war also kein Martin-Luther-Haus, sondern gleichsam ein "Zinzendorf-Haus". Dass es übrigens später in Westig ein Gemeindehaus gab, das "Zinzendorf-Haus" hieß, hängt auch mit der hier beschriebenen pietistischen Tradition zusammen.
 

 


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ADB:Forstmann, Johann Gangolf Wilhelm
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Forstmann: Johann Gangolf Wilhelm F., geb. am 25. Mai 1706, † am 3. Mai 1759, war ein besonders begabter, eingreifender Prediger der lutherischen Kirche. Seit der Reformation dienten- die F. dieser Kirche. Sein Vater, Thomas F;, war. Pfarrer zu Hemern in der Mark und unterrichtete selber seine Kinder. Der Knabe zeichnete sich frühe aus, so daß er schon mit [191] 17 Jahren die Universität Jena beziehen konnte. Zuerst widmete er sich der Rechtgelehrsamkeit, auf den Wunsch der Mutter wählte er die Theologie, aber er war ein leichter Student. Schon im J. 1727 starb der Vater und bald folgte ihm die Mutter mit Zurücklassung von 7 Waisen, wovon Wilhelm der älteste Sohn war. Die Gemeinde Hemern wählte ihn nun einstimmig zu ihrem Pfarrer; er hielt schon damals zu dem Bekenntnisse seiner Kirche, führte jedoch sein Amt ziemlich gleichgültig; erst nach einer schweren Krankheit griff er es ernstlicher an. Männer, wie Spener und Francke, standen ihm als Vorbilder vor Augen. Da gab es Bewegung in seiner Gemeinde. Schon damals gab er eine Erklärung des lutherischen Katechismus herauss. Im Herbst 1782 berief ihn die Gemeinde von Solingen zu ihrem Pfarrer. Er nahm den Ruf an. Hier breitete sich ein großes Arbeitsfeld vor ihm aus. Damals hatte der Graf von Zinzendorf auf viele Kreise einen mächtigen Einfluß gewonnen. Seiner Hauptlehre von der Versöhnung schloß sich F. lebhaft an, ohne seiner Kirche untreu zu werden. Im J. 1744 gab er zum zweiten Male den Katechismus unter dem Titel: „Göttliche Wahrheiten der heiligen evangelisch-lutherischen Religion in Fragen und Antworten“ heraus. Bald erschien auch von ihm: „Erste Sammlung einiger Worte des Glaubens und der guten Lehre“, Predigten, durch die er so mächtig gewirkt hatte. Doch sein Hauptwerk, was noch immer eine gesegnete Wirkung auf die Leser ausübt, heißt: „Die durch daß Evangelium von Christo geoffenbarte Gerechtigkeit, die vor Gott gilt, oder öffentlich gehaltene Reden über die in unserer Kirche an den Sonntagen und übrigen Fest- und feierlichen Zeiten gewöhnlichen Evangelien". Dieses Predigtbuch erschien im J. 1757. Er brauchte ein ganzes Jahr zur Aus und Durcharbeitung des Buches, und sagt, daß er außerordentlich vergnügte Zeiten dabei zugebracht habe. Es war nur Schade, daß dieser treffliche Zeuge der Wahrheit im besten Mannesalter starb. Sein Tod wurde von Vielen beklagt,
Näheres über ihn in der Sonntagsbibliothek bei Velhagen und Klasing, 1847                                                                        Ledderhose

 

 

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